Konsumklima weiter gelähmt: Wer Angst hat, gibt kein Geld aus

- Nürnberg - Deutschland droht nach Einschätzung des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK ein weiteres Jahr der Stagnation. Nur wenn die Verunsicherung der Verbraucher durch klare und berechenbare Schritte der Politik aufgelöst werde, sei ein Ende der Konsum lähmenden Stimmung möglich, sagte der GfK-Vorstandsvorsitzende Klaus Wübbenhorst.

<P>Die Konsumenten seien angesichts der anhaltenden Misere am deutschen Arbeitsmarkt und der Diskussion über höhere Steuern und Abgaben zutiefst verunsichert. Entsprechend hielten sie sich mit Neuanschaffungen zurück. Angesichts dieser Lage seien vom Konsum, der mehr als 60 Prozent des Inlandsproduktes ausmache, zumindest in den nächsten drei Quartalen voraussichtlich keine positiven Impulse für ein Anspringen des Konjunkturmotors zu erwarten.<BR><BR>Für mehr als sieben von zehn Deutschen sei Arbeitslosigkeit das beherrschende Thema, erläuterte der Konsumforscher. Angesichts von 4,5 Millionen Erwerbslosen und der Sorge vor einem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes seien Verbraucher in ihrem Konsumverhalten "sehr vorsichtig". Dies spiegele sich auch im erneut deutlichen Rückgang der "Anschaffungsneigung" im Mai wider. "Konsum beginnt im Kopf. Wer Angst hat, gibt nur das Notwendigste aus und spart. Angst lähmt", erklärte Wübbenhorst.<BR><BR>Nach einem leichten Lichtblick im Vormonat habe sich die Stimmung im Mai wieder eingetrübt. Die Diskussion über ein mögliches Abgleiten in eine Deflationsspirale in Deutschland spiegele sich aber noch nicht in den jüngsten Zahlen wider. Bei einer Deflation halten sich die Verbraucher mit Neuanschaffungen zurück, weil sie immer weitere Preissenkungen erwarten.<BR><BR>Dabei beachte der Einzelne in der Regel nicht die gesamtwirtschaftlichen Folgen seines Handelns. "Wenn ich morgen einen preiswerten Flug für 29 Euro nach Wien bekommen kann, dann werde ich dafür nicht 500 Euro bezahlen, um ein Deflationsgespenst zu beseitigen", sagte Wübbenhorst. Der Druck auf die Preise dürfte angesichts der lahmenden Konjunktur weiter anhalten.<BR><BR>Die Preiskonstanz sei derzeit der einzige Lichtblick. Dadurch steige das Realeinkommen bereits bei leichten Lohnerhöhungen. Die Stabilisierung der Einkommen der Verbraucher sei eindeutig positiv zu bewerten. Im Mai sind die Einkommenserwartungen der Bundesbürger trotz der gedrückten Stimmung leicht gestiegen.<BR><BR>Der Indikator für die Konjunkturerwartung fiel im Mai auf minus 28,2 von minus 21,9 Zählern im April. Nach dem Ende des Irak-Krieges konzentrierte sich die Sorge der Verbraucher erneut auf die Innenpolitik.<BR><BR>Im Gegensatz zu den Deutschen blicken die US-Amerikaner wieder zuversichtlicher nach vorne. Das Vertrauen der US-Verbraucher war nach Angaben des Forschungsinstituts Conference Board im Mai gerade deshalb gestiegen, weil die Amerikaner die Aussichten für die US-Wirtschaft positiv beurteilten. Volkswirte führten das unter anderem auf die beschlossene Steuersenkung zurück.<BR>Die US-Wirtschaft zeigt wieder stärkere Zeichen der Wiederbelebung. Sie wuchs im ersten Quartal 2003 mit einer hochgerechneten Jahresrate um 1,9 Prozent.<BR></P>

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