Konsumlust erreicht den Handel entgegen aller Prognosen nicht

- München - Der Konjunkturaufschwung in Deutschland geht an weiten Teilen des Einzelhandels vorbei. Im September sank nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes der Branchenumsatz überraschend um real 1,2 und nominal 0,5 Prozent. Auch Deutschlands größter Handelskonzern Metro musste im dritten Quartal auf dem Heimatmarkt Umsatzeinbußen hinnehmen. Inzwischen sieht die Branche dem Winter mit wachsender Skepsis entgegen.

Konjunkturforscher hatten angesichts der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt und erwarteter Vorzieheffekte wegen der geplanten Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 eigentlich mit einem besseren September-Ergebnis gerechnet. Die Branche selbst zeigte sich dagegen wenig überrascht. "Wir haben haben nie an die Euphorie geglaubt, die von Forschungsinstituten wie GfK und Ifo verbreitet wurde", kommentierte der Sprecher des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, die jüngsten Zahlen.

Dem Negativtrend konnte sich auch Deutschlands größter Handelskonzern Metro nicht entziehen. Der Handelsriese musste im dritten Quartal auf dem Heimatmarkt erneut leichte Umsatzeinbußen hinnehmen. Schwächen zeigten sowohl die Großhandelsmärkte Metro Cash & Carry, als auch die SB-Warenhauskette Real und die Kaufhof-Warenhäuser. Das florierende Auslandsgeschäft sorgte dennoch für kräftiges Wachstum im Konzern.

"Das Geschäft in Deutschland ist von anhaltender Konsumzurückhaltung geprägt. Den Menschen fehlt die Zuversicht. Intuitiv spürt der Deutsche, dass ihn die Mehrwertsteuererhöhung und die Gesundheitsreform Geld kosten werden", erklärte Metro-Chef Hans-Joachim Körber die anhaltenden Schwierigkeiten. Drei der vier Konzernsparten ­ Cash & Carry, Real und Kaufhof ­ setzten zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen weniger um als im Vorjahr. Nur die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn konnten ihre Verkaufszahlen nicht zuletzt dank weiterer Neueröffnungen leicht steigern.

Dagegen florierte das Auslandsgeschäft mit einem Absatzplus von fast 12 Prozent. Unter dem Strich konnte der Konzern damit seinen Umsatz um 6,3 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro steigern. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern deshalb mit einer Umsatzsteigerung von rund 6\x0fProzent. Das Ergebnis je Aktie werde 5\x0fbis 8 Prozent höher ausfallen als der Vorjahreswert von 2,47 Euro.

Konjunkturforscher sprachen angesichts des allgemeinen Nachfragerückgangs von einem absolut enttäuschenden Ergebnis. Sie gehen aber weiter davon aus, dass der Konsum zum Jahresende wegen der Mehrwertsteuererhöhung 2007 anziehen wird. Doch blickt der deutsche Einzelhandel dem kommenden Winter mit wachsender\x0eSkepsis entgegen. Bei der jüngsten Umfrage hätten die meisten Händler mit einer Abschwächung der Geschäfte in den nächsten sechs Monaten gerechnet, teilte das Ifo-Institut in München mit.

Schlechte Nachrichten gab es auch für die Verbraucher: Sie müssten mit deutlich steigenden Preisen rechnen, berichtete das Ifo-Institut. Dies gelte für Möbel, Bau- und Heimwerkerbedarf, Schreibwaren und Schuhe, aber auch für Lebensmittel. Dagegen dürfte Unterhaltungselektronik erneut billiger werden.

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