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Kontrolle statt Vertrauen: Airbus-Chef geht

- Paris - Zur Krise um Lieferprobleme und Sparzwänge bei Airbus gesellt sich eine Machtprobe hinter geschlossenen Türen. Im Brennpunkt steht der erst seit drei Monaten amtierende Airbus-Chef Christian Streiff (52), der alles auf eine Karte setzte und sich dann isoliert vorkam. Seine Ideen zu den Wegen aus der A380-Krise, vor allem aber sein Anspruch auf mehr Autonomie stießen auf eine "Mauer der Ablehnung", die Pariser Blätter vor allem von dem deutschen EADS-Co-Chef Tom Enders errichtet sahen.

Die Gerüchteküche lag richtig: Nach heftigem Tauziehen hinter den Kulissen waren die Würfel bereits gefallen: Streiffs eingereichter Rücktritt wurde auch von den privaten Großaktionären Daimler- Chrysler und Lagardère angenommen und am Montag abend von der Airbus-Mutter EADS bestätigt. Streiff wirft das Handtuch, weil er hoch gepokert hat und dabei nicht ausreichend Rückenwind bekam.

Der Abgang des Mannes, der vor gerade einmal einem Vierteljahr zum Nachfolger des Deutschen Gustav Humbert gekürt worden war, bringt weitere Turbulenzen für den in einer tiefen Krise steckenden europäischen Flugzeugbauer. Das war absehbar: Streiff wollte gehen, "sofern er nicht wirklich Manövrierfreiheit erhält, um seinen Plan zur Restrukturierung mit einer Kostenverringerung von 30 Prozent auch umzusetzen", schaute der Pariser "Figaro" dem Pokerspiel in die Karten.

Im vereinbarten deutschfranzösischen Proporz von EADS und Airbus war der französische Chef des Flugzeugbauers ohne eigentliche Macht: Er war dem Deutschen Tom Enders unterstellt und konnte Schlüsselpositionen nicht selbstständig besetzen. Der Kern des Konflikts: Streiff wollte Autonomie für Airbus, EADS wollte die Tochter fester an die Leine nehmen: Kontrolle statt Vertrauen. Streiff wurde "Mangel an Diplomatie" vorgeworfen: Er habe doch von Anfang an gewusst, dass Airbus stärker integriert werden solle.

"Der Airbus-Chef konnte nur eingeschränkt auf Unterstützung der französischen Aktionäre und des EADS-Co-Präsidenten Louis Gallois zählen", berichtete das Wirtschaftsblatt "La Tribune" eine Wasserstandsmeldung der hektischen internen Diskussionen am Wochenende bei EADS und Airbus. Nachdrücklich stellten sich Premierminister Dominique de Villepin und Außenhandelsministerin Christine Lagarde noch hinter den Franzosen, doch das Tischtuchwar bereits zerschnitten. Die Zeit für eine Entscheidung bei dem Airbus-Spitzenposten drängte nicht nur, um den abgesackten Flugzeugbauer wieder auf Höhe zu bringen.

Präsident Jacques Chirac und Kanzlerin Angela Merkel wollen kaum den deutsch-französischen Ministerrat am Donnerstag in Paris von dem leidigen Sujet dominieren lassen. Streiff lag als Opfer auf dem Altar deutschfranzösischen Krisenmanagements nahe -und auch, dass Louis Gallois in Doppelfunktion neuer Airbus-Chef wird. Das Prinzip, dass ein französischer Airbus-Chef dem jeweiligen deutschen EADSCo- Chef unterstellt ist (und umgekehrt), ist damit Vergangenheit. Denn der künftige Airbus-Chef bleibt neben Tom Enders gleichberechtigter Chef des Airbus-Mutterkonzerns.

Streiff, der für den umstrittenen Abzug der Endmontage des A380 aus Hamburg nach Toulouse war, könnte schon Anfang nächsten Jahres einen attraktiven anderen Posten annehmen. Der Familie Peugeot wird nachgesagt, ihn als Wunschnachfolger für den scheidenden PSA-Chef Jean-Martin Folz anwerben zu wollen. Dieser Weg ist nun frei.

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