Kopfgeld auf Viren und Würmer: Microsoft eröffnet Schädlings-Jagd

- München - Microsoft-Chef Bill Gates will es wissen. Nachdem die Programme des amerikanischen Software-Giganten immer wieder ein gefundenes Fressen für Computer-Viren und -Würmer sind, hat das Unternehmen ein Kopfgeld auf die Programmierer der PC-Schädlinge ausgesetzt. 5 Millionen Dollar gibt es insgesamt für die Ergreifung von Virenschleudern - Geld, das der Konzern lieber in die Absicherung seiner Programme investieren sollte, wie Kritiker sagen.

<P>Zusammen mit der US-Bundespolizei FBI, dem britischen Secret Service und der europäischen Interpol will Microsoft auf die Jagd nach den Programmierern von Viren und Würmern gehen. Diese Programme, die sich über Sicherheitslücken auf PCs einschleichen und dort Daten löschen oder auch ausspionieren, richten neben viel Ärger einen finanziellen Schaden in Milliardenhöhe an. </P><P>"Das ist kein Spiel, das ist ein ernsthaftes Verbrechen, das ernsthafte Konsequenzen hat", drohte einer der Firmenanwälte. Platz eins und zwei auf der Fahndungsliste von Microsoft haben die Schöpfer der zerstörungswütigen Programme MSBlast.A, das auch als Blaster oder LoveSan bekannt wurde, sowie SoBig. Die beiden Plagen haben nach Microsoft-Angaben Millionen von Computern in der ganzen Welt befallen. Ihre Schöpfer wurden nicht gefunden. Durch die Kopfgeld-Aktion verspricht sich der Konzern Ermittlungshilfe aus der Computer-Szene.<BR><BR>Jeweils 250 000 Dollar gibt es für Hinweise, die zur Festnahme und Verurteilung der Viren-Schöpfer führen - ein kleiner Beitrag verglichen mit dem Jahresumsatz der Software-Schmiede von fast 35 Milliarden Dollar und dem Imageschaden, den jeder Virus auslöst.<BR><BR>Microsoft erweckt mit seiner Kopfgeld-Aktion den Eindruck, als könne man sich nicht anders gegen die Angriffe zerstörungswütiger Programmierer wehren. Tatsächlich bekommen Nutzer des Betriebssystems Windows alle paar Wochen die Empfehlung, sich ein "Sicherheitsupdate" herunterzuladen, das eine Lücke im System flickt. Und ständig tauchen neue auf. </P><P>Für viele Viren-Programmierer ist es ein Sport, die Schwachstellen herauszufinden und sich mit der Sabotage-Software, die mitunter ihre Pseudonyme enthält, zu verewigen. Das Rennen zwischen Saboteuren und Reparateuren hat kein Ende. Deshalb häufen sich in Internet-Foren die Empfehlungen, Microsoft solle mit dem Geld lieber seine Programme solider aufbauen, damit es Viren und Würmer künftig schwerer haben. Andere haben nur Hohn und Spott für den Konzern übrig. Im Forum der Zeitschrift "Chip" hält einer die Kopfgeld-Aktion für ein geeignetes Rekrutierungs-Programm für fähige Informatiker: "Wenn die den doch bekommen, dann bekommt er nen Vertrag, um bei denen zu arbeiten."</P>

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