Mit Kopper geht die Deutschland AG

- Stuttgart - Noch ist es nicht sicher, wann es so weit ist, aber dass Hilmar Kopper seinen Aufsichtsrats-Vorsitz bei Daimler-Chrysler für Manfred Bischoff frei machen wird, ist ausgemachte Sache. Es könne durchaus sein, dass Kopper sein Amt vorzeitig zur Verfügung stelle, hieß es aus Aufsichtsratskreisen, aber bisher gebe es dafür noch keine Anzeichen. Entschieden sei nur, dass es zu dem Wechsel kommen soll - spätestens, wenn Koppers Vertrag im April 2007 ausläuft.

Wenn Hilmar Kopper die Brücke des Daimler-Chrysler-Aufsichtsrates verlässt, geht mit ihm das letzte Symbol der "Deutschland AG" und der Ära Schrempp. Und gleichzeitig markiert der nahende Abgang auch einen tiefen Einschnitt im Machtgefüge des Traditionsunternehmens: Die Deutsche Bank beanspruchte in der gesamten Nachkriegszeit als größter Anteilseigner stets den wichtigsten Kontrollposten in Stuttgart.

Die jahrzehntelange Partnerschaft des Autobauers mit dem Geldinstitut aus Frankfurt galt als Symbol der "Deutschland AG", einem Netzwerk aus Beteiligungen zwischen Banken und Industrie-Unternehmen, das lange typisch für den Wirtschaftsstandort Deutschland war. Doch die Globalisierung und weltweite Fusionen haben dafür gesorgt, dass die alten Bande kaum noch Bestand haben.

Einst mit fast 30 Prozent größter Aktionär bei Daimler-Benz, hält die Deutsche Bank heute nur noch unter fünf Prozent. Dafür sorgte unter anderem der überraschende Rücktritt des langjährigen Konzernchefs und Kopper-Vertrauten Jürgen Schrempp, der ein wahres Kursfeuerwerk auslöste und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erst recht motivierte, sich von den Aktien zu trennen und Kasse zu machen.

Es ist fast folgerichtig, dass Kopper nach 16 Jahren als Aufsichtsratschef seinem Duzfreund Schrempp bald folgen wird und sich zurückzieht. Beide sind durch "dick und dünn" gegangen. Auf den Hauptversammlungen musste Kopper für Schrempps Fehleinschätzungen bei Smart oder Mitsubishi fast so viel Prügel einstecken wie der Konzernchef selbst.

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