Korb für Schröder: Deutsche Manager wollen "Maggie" Merkel

- Berlin - Deutschlands Top-Manager lassen Gerhard Schröder fallen wie eine heiße Kartoffel. Hatten ihm im Herbst noch 83 Prozent die Chance auf ein Comeback eingeräumt, sehen nun 81 Prozent den Kanzler am Ende seiner Karriere. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Entscheider an Angela Merkel. Nach einer neuen Umfrage erwartet die Mehrheit der Manager eine "echte politische Zäsur", steht dem Programm der Union jedoch auch skeptisch gegenüber.

"Ich würde mich etwas fürchten, wenn ich davor stünde, Kanzlerin von Deutschland zu werden", sagt Renate Köcher beim Blick auf die Zahlen. Die Leiterin des Instituts für Demoskopie in Allensbach hat im Auftrag des Magazins "Capital" 500 Führungskräfte aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik befragt, darunter 123 Vorstandschefs, 20 Minister und Ministerpräsidenten.Was die Elite eint, sei "ein enorm hoher Erwartungsdruck". 61 Prozent erwarten von einer CDU-Kanzlerin einen grundlegenden Kurswechsel, 76 Prozent fordern radikale Reformen. Obwohl in deutschen Chefetagen nur 36 Prozent der Ansicht sind, die Union sei "auf den Regierungswechsel gut vorbereitet", erwarten sich 81 Prozent einen Konjunktur-Aufschwung.Für Merkel könnte die Messlatte kaum höher liegen: Die Mehrheit der Industrie- und Polit-Manager verspricht sich von einem Machtwechsel "deutliche Fortschritte" bei der Verbesserung des Forschungsklimas, bei Steuervereinfachung und dem Abbau der Arbeitslosigkeit, der Reform von Renten-, Gesundheits- und Pflegeversicherung sowie dem Abbau der Staatsverschuldung - eine Wunschliste, die selbst in zwei Legislaturperioden nicht zu erfüllen wäre.Während Merkel ihre Personalpläne weiter für sich behält, haben die Führungsspitzen konkrete Vorstellungen: 74 Prozent wollen Friedrich Merz als Finanzminister, nur acht Prozent sind für Edmund Stoiber. Das Innenministerium soll Günther Beckstein (54 Prozent) führen, das Gesundheitsressort Ursula von der Leyen (37 Prozent). Strittig ist die Besetzung des einflussreichen Wirtschaftsministeriums: Während knapp ein Drittel für Hessens Regierungschef Roland Koch plädiert, sprechen sich 36 Prozent für Heinrich von Pierer aus. Der frühere Siemens-Chef, seit mehr als 30 Jahren Mitglied der CSU, hatte sich erst kürzlich mit Merkel getroffen.Die Kanzlerkandidatin sucht den Kontakt zur Wirtschaft: Erst am Montagabend scharte sie die Vorstände von großen Dax-Unternehmen um sich. Konzerne wie Allianz, Porsche, WestLB, Deutsche Bank, Telekom und Daimler-Chrysler waren hochrangig vertreten. Über den Inhalt des Treffens wurde Vertraulichkeit vereinbart, jedoch ging Merkel zu dem Diner mit der Absicht, ihr Wahlprogramm zu erläutern und Kritik (Stichwort: Manager-Gehälter) zu parieren.Dennoch muss sich die Kandidatin um ihre Reputation bei den Managern keine Sorgen machen: Während Schröder bundesweit im Direktvergleich wieder vor Merkel liegt (40 zu 36 Prozent), votieren von den Führungskräften nur noch 27 Prozent für Schröder, aber 68 Prozent für Merkel. Die Mehrheit (92 Prozent) begrüßt die geplanten Neuwahlen, hält sie jedoch für eine "Kurzschluss-Handlung" (59 Prozent). "Schröder kapituliert vor den Problemen", meinen zwei Drittel der befragten Top-Entscheider. Während dem Bundeskanzler unisono der Ruhestand prophezeit wird, gehen die Meinungen über Merkels Karriere auseinander: Auf die Frage, ob Deutschland bald von einer "zweiten Maggie Thatcher" regiert werde, antworten 46 Prozent mit Ja. 52 Prozent trauen Merkel einen "Befreiungsschlag" nicht zu.

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