Korruption kostet Bahn Millionen

- Berlin - Sie sind über 40, nicht vorbestraft, ehrgeizig, männlich und - korrupt. So sieht zumindest nach Expertenmeinung das Täterprofil von Wirtschaftskriminellen aus. Eine Beschreibung, die auch auf die schwarzen Schafe in den Reihen der Deutschen Bahn AG zutrifft, sagte Regina Puls. Seit fünf Jahren gehen die ehemalige BKA-Ermittlerin und ihr Team im Auftrag der Deutschen Bahn innerhalb des Unternehmens auf Betrügerjagd. Über 430 Fälle von Korruption wurden seither aufgedeckt; in 124 ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der DB ist daraus ein Schaden im mittleren zweistelligen Millionenbereich entstanden.

Erst Ende Januar wurde ein Bahnmitarbeiter, er hatte Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen, vom Landgericht Koblenz zu sieben Jahren Haft verurteilt. Für die Anti-Korruptions-Kämpfer eine Bestätigung, dass ihre Arbeit funktioniert. Im Jahr 2000 hatte Vorstands-Vorsitzender Hartmut Mehdorn das betriebsinterne Gremium gegründet. Über die Jahre "haben wir das Problem in den Griff bekommen", sagt Expertin Puls. Sie habe einen "tendenziell leichten Rückgang" der Bestechungsfälle bemerkt.

Das System ist einfach: Puls und ihr Team gehen jedem Hinweis nach. "Die Tipps stammen aus den Reihen der Mitarbeiter, kommen aber auch von Geschäftspartnern", sagt Rainer Buchert, einer der beiden Ombudsmänner, an die sich Informanten wenden können. Ihnen gehe es vor allem um die Frage der Gerechtigkeit. Denunziation spiele da eine untergeordnete Rolle, meinte Edgar Boussen, der zweite Vertrauensanwalt. Ein solcher Fall sei ihm bisher noch nicht bekannt.

Seit Beginn des Projekts sind 221 Fälle abgeschlossen worden, 209 befinden sich noch in der Bearbeitung. Die überführten Täter - DB-Mitarbeiter sowie Beteiligte außerhalb des Unternehmens - müssen dabei mit verschiedenen Konsequenzen rechnen: von der Abmahnung über die Kündigung bis hin zur Strafanzeige.

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