Korruptionsaffäre bei VW

- Wolfsburg - In der Korruptionsaffäre beim VW-Konzern haben VW-Personalvorstand Peter Hartz und Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert Vorwürfe der Verstrickung entschieden zurückgewiesen. Hartz erklärte am Dienstagabend auf dpa-Anfrage, die Vermutung, dass Volkswagen Betriebsräte gekauft haben solle, sei "absurd". Im Vorstand seien solche Vorgänge keinem bekannt. Und: "Niemand im Vorstand hätte sie gebilligt." Hartz betonte: "Ich weise die Verunglimpfungen aufs Schärfste zurück."

Auch der in der vergangenen Woche überraschend zurückgetretene Volkert äußerte sich erstmals zu den Vorwürfen. Volkert erklärte über seinen Anwalt, er habe mit den angeblichen Verstrickungen in unsaubere Geschäfte und in das Geflecht von Tarnfirmen nichts zu tun. "Mich mit solchen Vorgängen auch nur im Entferntesten in Verbindung zu bringen, ist eine infame Verleumdung." Zugleich gestand er aber ein, sich auf Drängen des Ex-Skoda-Personalchefs Helmuth Schuster zur Übernahme eines Gesellschafteranteils an der tschechischen Firma FBel bereit erklärt zu haben. Dies bedauere er. Die Firma habe aber keine Geschäfte getätigt.Unterdessen bekräftigte Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratsmitglied Christian Wulff (CDU) seine Forderung nach einer "ergebnisoffenen" Untersuchung. "Niemand ist sakrosankt, niemand bekommt einen Persilschein, niemand bekommt Absolution, während noch ermittelt wird", betonte Wulff am Dienstag in Hannover.Der neue VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärte am Abend, der Betriebsrat widerspreche mit "aller Entschiedenheit" in den Medien pauschal geäußerten Vermutungen, wonach der Betriebsrat gekauft oder geschmiert worden sei. Dies seien "grenzenlose Verleumdungen".Osterloh wurde am Dienstag zunächst zum Nachfolger Volkerts als Vorsitzender des Betriebsrats im VW-Stammwerk Wolfsburg gewählt. Der 48-Jährige sagte, er übernehme das Amt in einer Zeit, die vermutlich die "härteste Belastungsprobe" für Betriebsratsarbeit bei VW bedeute. Osterloh soll an diesem Mittwoch auch zum neuen Chef des VW-Gesamtbetriebsrats gewählt werden, später dann zum Vorsitzenden des Konzernbetriebsrates.Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt derzeit gegen Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster und einen seiner Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Sie sollen Gelder, die eigentlich VW oder der tschechischen VW-Tochter Skoda zugestanden haben, über ein "Firmengeflecht" auf eigene Konten umgeleitet haben. Außerdem soll Schuster Schmiergeld von Zulieferern verlangt haben. VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte die Prüfgesellschaft KPMG mit der unabhängigen Prüfung aller Hintergründe der Affäre beauftragt.

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