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Wegen Korruptionsverdacht festgenommen: Der vatikanische Geistliche Monsignor Nunzio Scarano.

Es geht um 20 Millionen Euro

Korruption? Vatikan-Mitarbeiter verhaftet

Rom - Ein Ex-Geheimdienstmann hat im Auftrag eines hochrangigen Vatikan-Geistlichen 20 Millionen Euro illegal von der Schweiz nach Italien gebracht. Der Monsignore wurde festgenommen.

Eine neue millionenschwere Affäre erschüttert die skandalumwitterte Vatikanbank IOR. Der hochrangige Vatikan-Geistliche Monsignore Nunzio Scarano wurde am Freitag im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Bank festgenommen. Es geht um einen Geldransport von 20 Millionen Euro in bar. Scarano und zwei weiteren Männern werden Korruption, Betrug und Verleumdung vorgeworfen, wie die Behörden mitteilten.

Laut Staatsanwaltschaft agierte der Monsignore zusammen mit einem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter und einem Finanzmakler. Auch sie wurden festgesetzt. Erst vor zwei Tagen hatte Papst Franziskus eine Kommission zur Beobachtung der Vatikanbank eingerichtet.

Die Vatikanbank, das Istituto per le Opere di Religione IOR (Institut für die religiösen Werke), ist in seiner Geschichte oft mit Skandalen in Verbindung gebracht worden und stand lange wegen wenig transparenter Geschäfte in der Kritik. Die Ermittlungen gegen Scarano und die beiden anderen Beschuldigten sind lediglich ein Strang der umfangreichen Untersuchungen der IOR-Geschäfte.

Den Ermittlungen zufolge soll Scarano dem Geheimdienstmann 400 000 Euro bezahlt haben, damit dieser illegal 20 Millionen Euro Bargeld mit einem Privatjet von der Schweiz nach Italien bringt. Das Geld gehörte den Angaben zufolge einem Freund Scaranos.

Scaranos Anwalt Silverio Sica sagte dem Fernsehsender SkyTG24, sein Mandant habe „versucht, guten Freunden zu helfen“ und keine persönlichen Vorteile daraus gezogen. „Monsignor Scarano wird den Ermittlern alles erklären.“ Der Italiener war vor seiner Priesterweihe 1987 in einer Bank tätig.

In Salerno wird gegen Scarano bereits seit Wochen wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Im Zuge dessen wurde er auch von seinem hohen Posten in der Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls suspendiert. Sowohl der Vatikan als auch die Vatikanbank sicherten den Behörden ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu. Das Geldinstitut kündigte auch eine eigene interne Untersuchung an.

Seit seinem Amtsantritt im März hatte Papst Franziskus mehrmals signalisiert, die Vatikanbank reformieren zu wollen. Die Berufung des Kontrollgremiums war ein erster Schritt in diese Richtung. Auch innerhalb des Geldhauses scheint es mittlerweile ein Bewusstsein für nötige Veränderungen zu geben. Der neue deutsche Chef des Instituts, Ernst von Freyberg, hatte kurz nach seinem Amtsantritt angekündigt, konsequent gegen Korruption und Geldwäsche vorgehen zu wollen.

dpa

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