Kostenlose SMS mit Abzock-Fallen

München - Der Versand von SMS kann richtig ins Geld gehen. Abhilfe schaffen „Free-SMS“- Dienste im Internet.

Das Mobiltelefon hatte gerade seinen Weg in Richtung Massenmarkt eingeschlagen, da entdeckten Telekommunikationskunden auch beim tragbaren Telefon den unbändigen Geiz. Bereits kurz nach ihrer Gründung im Jahre 1997 erfreuten sich Gratis-SMS-Dienste im Internet großer Beliebtheit – sie hießen Yippy.de, World-Free.com oder Freeservice.de. Doch 2001 kam das vorläufige Aus der Gratis-Dienste – fast alle namhaften Anbieter schränkten ihren Kostenlosversand ein, nachdem die Telekom den Großkundenpreis pro SMS auf damals 5,5 Cent anhob und damit fast verdreifachte. Das Ende der Gratis-SMS-Dienste war vorgezeichnet: „Die Zeiten, in denen Free-SMS für jeden Anbieter zum guten Ton gehörte, sind vorbei“, sagte damals Sigurd Jaiser von der Düsseldorfer Firma Netzquadrat, die unter anderem die Internetportale „billiger-telefonieren.de“ und „SMS.de“ betreibt. Beim Webmail-Anbieter „Web.de“ sank die SMS-Zahl von rund 800 000 gratis verschickten Kurznachrichten täglich auf wenige Tausend. Heute, acht Jahre später, sind viele der damaligen Webklassiker wie Yippy.de, World-Free.com oder Freeservice.de längst aus dem Netz verschwunden.

Computer-Tastatur erleichtert das Tippen

Doch einige Gratis-SMS-Dienste von damals erfreuen sich noch heute großer Beliebtheit: SMS.de wurde im Jahr 2000 gestartet und ist heute mit fast drei Millionen registrierten Nutzern eines der größten Mobile-Portale in Deutschland. Mitbewerber Uboot.com hat nach eigenen Angaben europaweit sogar sechs Millionen Mitglieder. Free-SMS-Dienste bieten den kostenlosen Versand von Kurznachrichten („SMS“) über das Internet an. Die Portale bieten viele Vorteile: Oft ist keine Anmeldung zum SMS-Versand nötig, zudem kann die Tastatur zur Eingabe der Nachrichten verwendet werden – wer kein Freund der kleinen Handy-Tasten ist, dürfte sich über den komfortablen Eingabeweg freuen. Die verschickten SMS werden wie in einem Mailprogramm übersichtlich geordnet und können bei Bedarf in eine Textdatei übertragen werden, der Speicherplatz für SMS ist im Netz unbegrenzt. Ein Telefonbuch, mit dem sich SMS an mehrere Empfänger gleichzeitig verschicken lassen, rundet das Angebot der meisten Free-SMS-Portale ab.

Vorsicht vor Abofallen

Der Komfort kostet jedoch, auch wenn die Anbieter ihre Dienste als „kostenlos“ bezeichnen: „Nicht selten wird bei der Anmeldung das Einverständnis zur Weitergabe der eigenen Daten an Dritte erteilt. Der Betroffene läuft also Gefahr, mit Reklamesendungen, Werbe-Sims oder Marketinganrufen bombardiert zu werden“, warnt Thorsten Neuhetzki vom Internet-Beratungsportal „teltarif“. Die meisten Anbieter finanzieren sich über Werbeeinblendungen auf dem eigenen Portal. Den meisten Gratis-Kurzmitteilungen wird zudem ein Werbetext angehängt, sodass dem Nutzer weniger als die üblichen 160 Zeichen zur Verfügung stehen. Wenn Internetsurfer den Begriff „Free SMS“ lesen, sollten sie also wachsam sein – vor allem, weil kostenlose SMS auch ein beliebtes Lockmittel von sogenannten „Abo-Abzockern“ sind. Vorsicht ist vor allem geboten, wenn die Kurzmitteilungs-Anbieter nach persönlichen Daten wie Name, Anschrift oder Bankverbindung fragen. Dann handele es sich in vielen Fällen um SMS-Abo-Angebote, die hohe monatliche oder jährliche Folgekosten verursachten, warnt das Telekommunikationsportal teltarif.de. „Die meisten Free-SMS-Anbieter stellen ein recht begrenztes Kontingent an Kurzmitteilungen zur Verfügung“, sagt Thorsten Neuhetzki von teltarif.de. Eine große Anzahl versprochener SMS könne bereits ein Hinweis auf ein verstecktes Abo-Angebot sein.

Auch kostenpflichtige Online-SMS lohnend

Für Verbraucher lohnt sich übrigens auch ein Blick in die kostenpflichtigen SMS-Versandangebote im Internet – die sind nämlich meistens günstiger als der herkömmliche Versand über das eigene Mobiltelefon. Im kleinsten Bezahlpaket bekommen Nutzer von „SMS.de“ für 2,90 Euro insgesamt 25 werbefreie SMS – ein Preis von 11,6 Cent pro Nachricht. Bei Prepaid-Handys kostet eine SMS meist 20 Cent, egal wie viele verschickt werden – eine Schuldenfalle für viele Jugendliche. Bei Abnahme größerer Mengen auf „SMS.de“ lässt sich der SMS-Stückpreis dagegen sogar auf 4,9 Cent drücken.

Free-SMS-Anbieter Auf diesen Internetseiten können kostenlos Kurzmitteilungen verschickt werden, ohne dass eine Anmeldung erforderlich ist: – www.sms.de: 10 SMS pro Monat à 142 Zeichen – www.free-sms-verschicken.de: 1 SMS pro Tag à 160 Zeichen – www.gratissimsen.de: 10 SMS pro Tag à 160 Zeichen – www.smsgott.de: 5 SMS pro Tag à 147 Zeichen.

von Sebastian Wieschowski

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