Stellenstreichungen geplant

Krach bei Siemens: Angestellte planen Proteste zur Hauptversammlung

Seit der Ankündigung neuer Einschnitte in der Kraftwerkssparte brodelt es bei Siemens. Zum Aktionärstreffen wollen die Beschäftigten ihrem Unmut darüber Luft machen. Lassen sich Anteilseigner und Management davon beeindrucken?

München - Beschäftigte des Elektrokonzerns Siemens wollen zur Hauptversammlung am Mittwoch (31. Januar) in München ein Zeichen gegen den drohenden Jobabbau und Werksschließungen in der Kraftwerkssparte setzen. Vor der Olympiahalle, in der sich tausende Aktionäre von Vorstandschef Joe Kaeser über die Geschäftslage und die geplanten Einschnitte informieren lassen wollen, sei eine Protestaktion mit Delegationen mehrerer Siemens-Standorte geplant, sagte ein IG-Metall-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. „Wir erwarten etwa 300 Teilnehmer.“ Mit einem Spalier aus Transparenten wollen sie die Anleger auf ihre Sorgen aufmerksam machen.

Das Unternehmen will wegen Nachfrageschwäche und Preisverfall in der Kraftwerks- und Antriebstechnik weltweit rund 6900 Stellen streichen, rund die Hälfte davon in Deutschland. Für zwei Standorte in Görlitz und Leipzig wurde die Schließung angekündigt, weitere Einschnitte sind in Berlin, Offenbach und Erfurt geplant. In der Frankfurter Innenstadt soll es ebenfalls am Mittwoch einen Demonstrationszug von Siemens-Beschäftigten aus Offenbach von der Zeil bis zur Börse geben.

Milliardengewinne und Standortschließungen

Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser.

Der Verein von Mitarbeiteraktionären „Wir für Siemens“ will wegen der Pläne Kaeser und der fürs Energiegeschäft zuständigen Vorständin Lisa Davis auch angesichts der guten Ergebnisse im zurückliegenden Geschäftsjahr 2016/17 die Entlastung verweigern. „Wenn Milliardengewinne fast gleichzeitig mit Standortschließungen und Stellenabbau kommuniziert werden, dann wird für viele Menschen die Gesellschaftsordnung in Frage gestellt“, heißt es in einer Stellungnahme, die auf der Homepage des Vereins veröffentlicht ist.

Das Vorgehen habe dem Ansehen des Unternehmens geschadet. „Viele fragen dann zu Recht, wie es mit der vom Vorstand viel beschworenen Eigentümerkultur und sozialen Verantwortung bestellt ist.“

Erst in der vergangenen Woche hatte Kaeser den Beschäftigten in Görlitz Hoffnung gemacht. „Wir werden Görlitz nicht fallen lassen“, sagte der Siemens-Chef am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. „Wir werden diesen Menschen helfen, wir geben ihnen eine Zukunft.“ Er wisse zwar noch nicht, wie dies geschehen könne - aber es werde einen Weg geben. Siemens sei wirtschaftlich stark genug.

IG Metall fordert „handfesten Ansatz“

Bei der IG Metall zeigte man sich abwartend. „Wenn Herr Kaeser sich auf den Erhalt des Standorts Görlitz einließe, wäre das natürlich erst einmal absolut erfreulich und begrüßenswert“, hieß es von der Gewerkschaft. „Die Gesamtproblematik lässt sich allerdings nicht auf einen einzelnen Standort reduzieren, wir brauchen konkrete Lösungen auch für alle anderen akut betroffenen Standorte.“

Man brauche jedoch auch einen „handfesten Ansatz“ für die von IG Metall und Betriebsräten seit langem geforderte Deutschland-Strategie insgesamt. „Ohne sie ist es eine reine Zeitfrage, bis der nächste Bereich ins Visier gerät, weil der Markt sich verändert oder die Marge ein oder zwei Prozent unter den Zielkorridor rutscht.“

Nähere Einzelheiten zu den Abbauplänen könnten möglicherweise bei einer Pressekonferenz anlässlich der Hauptversammlung zu erfahren sein. Dazu wird neben Kaeser sowie den Vorständen Ralf Thomas und Michael Sen auch Siemens-Personalchefin Janina Kugel erwartet. Bei dem Aktionärstreffen gibt außerdem der langjährige Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sein Amt ab. Designierter Nachfolger ist der frühere SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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