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Kraftwerk, Fabrik und Freizeitpark: Ein Bio-Energie-Zentrum an der Alz

- München - Zu teuer, zu unsicher, zu unrentabel? Die Zeiten, in denen nachwachsende Energieträger eine Angelegenheit für weltfremde Träumer und Idealisten waren, sind längst vorbei. Mittlerweile locken entsprechende Projekte die Investoren mit hoher Rendite. Zum Beispiel ein künftiger Bio-Energiepark an der Alz.

Für dieses 250-Millionen-Euro-Projekt im ostbayerischen Chemie-Dreieck hat sich die dortige Neue Vermögen AG mit der Bioma Energie AG zusammengetan. Diese hat bereits vier Biomasse-Kraftwerke in Österreich gebaut und startet nun in Deutschland gleich mit einem Großprojekt.

Biomassekraftwerke heizen mit nachwachsenden Brennstoffen. Doch um Holz oder Stroh ins Kraftwerk zu bringen, braucht man fossile Treibstoffe, bemängelt der Aufsichtsratsvorsitzende von Bioma, Ferdinand Fiedler. Autos fahren zwar mit Bioethanol. Doch um diesen Treibstoff zu destillieren, wird meist Öl oder Gas verbrannt. "Wir wollen komplette Autarkie", sagt Fiedler.

Kernstück des Parks auf einen Gelände von Degussa im Tachertinger Ortsteil Schalchen ist ein Kraftwerk, das 40 000 Haushalte mit elektrischer Energie versorgen kann. Die dabei entstehende Abwärme wird gleich im Bioenergiepark genutzt: in einer Biodiesel-Anlage, die 50 000 bis 60 000 Tonnen Treibstoff aus Öl gewinnen kann, und in einer Bio-Ethanolanlage, die für 120 000 Tonnen ausgelegt ist. Der Stoff, aus dem Biodiesel gemacht wird, Planzenöl, kommt aus einer eigenen Ölmühle im Park. Abfallprodukte, die bei der gesamten Produktion anfallen, dienen wieder als Brennstoff für das Kraftwerk. Selbst die Verbrennungsrückstände aus dem Kraftwerk können als Dünger in der Landwirtschaft verwendet werden.

Doch damit nicht genug: Die Betreiber wollen nicht nur Energie verkaufen, sondern auch die Technologie des Bioenergieparks, an der weltweit bereits Interesse angemeldet worden sei. So ist ein Zentrum für Informationen geplant sowie eines für Forschungsaktivitäten. In einem Begegnungszentrum sollen Besuchern die Möglichkeiten der Bioenergie demonstriert werden. Zum Projekt gehören auch ein 4-D-Kino und, um zusätzliche Besucher anzulocken, ein Hotel und ein ganzer Freizeitpark zum Thema Bio-Energie.

Dies alles soll auf der Fläche von 18 Fußballfeldern Platz finden. Neben 120 Arbeitsplätzen, die unmittelbar im Bioenergiepark geschaffen werden, entstehen Beschäftigungschancen vor allem in der Landwirtschaft. Denn von Feldern im weiten Umkreis soll der Park seine Rohstoffe erhalten. Weil Raps als Ausgangsstoff für Pflanzenöl nur alle vier Jahre auf der gleichen Fläche angebaut werden kann, setzt Fiedler auch auf Getreide als Rohmaterial für Bio-Ethanol und den sehr anspruchslosen Leindotter, aus dem Öl gewonnen werden kann, um eine komplette Fruchtfolge aus Energiepflanzen zu ermöglichen.

Doch könnte das Projekt noch scheitern: durch endlose Genehmigungsverfahren oder verschlechterte steuerliche Rahmenbedingungen, etwa durch die geplante Mineralölsteuer auf Pflanzenöl und Biodiesel (siehe auch Kasten). Bei den Verfahren wünscht sich Fiedler österreichische Verhältnisse, wo alle Genehmigungen für ein Biomassekraftwerk innerhalb von 5 Wochen vorlagen. Realistischerweise rechnet er aber mit einem Baubeginn spätestens Anfang 2007. Nach einem Jahr könnten dann Produktionsanlagen und das Kraftwerk in Betrieb gehen.

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