Versicherung

Krank im Urlaub: Arzt will Bares

München - Spanische Ärzte und Krankenhäuser behandeln Touristen laut EU-Kommission immer öfter nur gegen Bargeld oder Kreditkarte. Damit verstoßen sie gegen EU-Recht. Doch gesetzlich Versicherte können sich schützen – ziemlich günstig.

Gerade erst auf Gran Canaria gelandet, klagte Markus Koch (Name geändert) aus München über Glieder- und Kopfschmerzen. Er bekam Fieber und litt unter Atemnot. Es half alles nichts: Koch musste zum Arzt. Doch der wollte erst einmal Bargeld sehen, bevor er den Urlauber behandelte. Und das, obwohl Koch mit seiner Europäischen Krankenversicherungskarte (EKVK, auch EHIC) Anspruch auf eine kostenlose, medizinische Versorgung hat. Koch wollte gesund werden und zückte sein Portemonnaie. Diagnose: Lungenentzündung. Drei Tage lang wurde er behandelt. Koch bekam Antibiotika, Injektionen, Inhalationen. Insgesamt 370 Euro musste er zahlen. Zurück in Deutschland dann das böse Erwachen: Seine Krankenkasse erstattete ihm nur einen Bruchteil der Kosten – gerade mal 48 Euro.

Touristen behandelt wie Privatpatienten

Ähnlich wie Koch geht es derzeit vielen Urlaubern, berichtet die EU-Kommission. Demnach lehnen Ärzte, vor allem aber Krankenhäuser in spanischen Urlaubsregionen, die EKVK immer öfter ab – und verlangen entweder eine private Reiseversicherung, Bargeld oder die Kreditkarte. Die Touristen werden behandelt wie Privatpatienten. Der Hintergrund: So lassen sich deutlich höhere Honorare abrechnen. Dieses Vorgehen verstößt gegen EU-Recht. Die EU-Kommission hat deswegen ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Auf das muss die spanische Regierung innerhalb von zwei Monaten reagieren. Die Frist läuft Ende Juli ab.

„Markus Koch wurde in seinem Urlaub unwissend privat behandelt“, sagt Stefani Meyer-Maricevic, Sprecherin der Barmer GEK in Bayern. Die Behandlung sei „exorbitant“ teuer gewesen. Viel teurer als in Deutschland. Denn wer als gesetzlich Versicherter im EU-Ausland behandelt werden muss, bekommt von seiner Krankenkasse in der Regel nur den im Inland geltenden Satz für Vertragsärzte zurück – wie viel, lässt sich pauschal nicht sagen. Wird im Urlaubsland jedoch überteuert abgerechnet, bleibt man meist auf der Differenz sitzen. „Der hohe Eigenanteil ist kein Mangel des deutschen Systems. Im Gegenteil: Hier wird im Ausland eine Notsituation eines Patienten finanziell genutzt“, sagt Meyer-Maricevic.

Beschwerden nicht nur über Spanien

Stellt sich die Frage: Wozu braucht man überhaupt die EKVK oder EHIC, wenn sie im Krankheitsfall ohnehin nicht hilft? Grundsätzlich soll die Karte allen gesetzlich Versicherten in den EU-Ländern sowie in Liechtenstein, der Schweiz, Island und Norwegen den Gang zu Ärzten oder Krankenhäusern erleichtern, die ins gesetzliche Versicherungssystem des Landes eingebunden sind. Die EKVK ist seit 2004 auf der Rückseite der Gesundheitskarte zu finden.

Beschwerden gebe es nicht nur aus Spanien, sagt Meyer-Maricevic. Auch in anderen Ländern würde die europäische Krankenversicherungskarte nicht akzeptiert. Wer auf sein Recht pocht, läuft Gefahr, nicht behandelt zu werden. Wer sucht im Notfall schon einen anderen Arzt?

Bernd Christl von der Verbindungsstelle gesetzlicher Krankenkassen im Ausland liefert ein Beispiel: Eine Familie liegt im Urlaub am Pool, das Kind tritt in eine Glasscherbe. Die Eltern wollen einen Arzt sprechen – schnellstmöglich. Im Zweifelsfall kommt der Hotelarzt und der rechnet privat ab.

Christl empfiehlt, sich vorher zu informieren, wer einen behandelt. Stefani Meyer-Maricevic sagt, man soll sich vor dem Urlaub telefonisch bei seiner Krankenkasse nach einem Arzt vor Ort erkundigen.

Wie aber kann man sich vor hohen Behandlungskosten im Ausland schützen?

Versicherung schon ab 10 Euro zu haben

Verbraucherschützer empfehlen eine private Auslandskrankenversicherung. Die Zusatzversicherung ist bei manchen Anbietern schon ab zehn Euro zu haben und in der Regel ein Jahr gültig, abhängig von der Reise. „Es macht einen Unterschied, ob Sie auf Safari gehen oder einen Pauschalurlaub buchen“, sagt Nina Schultes vom Verband privater Krankenversicherer. Dafür übernimmt eine Auslandreiseversicherung im Notfall meist einen Krankenrücktransport. Denn auch dabei kommt man mit der EKVK nicht weit.

von alessandro capasso

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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