Kranke dürfen mitreden

München - Der Patient ist als Laie auf den Arzt angewiesen - aber deswegen muss er nicht alles hinnehmen, in puncto ärztlicher Beratung, empfohlener Therapie und zögerlicher Akteneinsicht. Denn es gibt klar definierte Patientenrechte.

-Darf der Arzt die Behandlung ablehnen?

Verfügt der Arzt über eine Kassenzulassung, ist er dazu verpflichtet, gesetzlich versicherte Patienten zu behandeln. Patienten werden dennoch mitunter abgelehnt, mit der Begründung, die Praxis sei überlastet. Eine Ablehnung aus diesem Grund ist durchaus erlaubt. Wer dennoch einen Termin wünscht, muss sich auf manchmal monatelange Wartezeiten einrichten. Nicht erlaubt ist es dagegen, einen Patienten abzulehnen mit der Begründung, das Arztbudget sei für dieses Quartal bereits ausgeschöpft. Bei Privatärzten sieht das übrigens anders aus. Sie dürfen sich ihr Klientel aussuchen. Nur in Notfallsituationen müssen sie Kassenpatienten behandeln. Das bezahlt dann auch die Krankenkasse.

Der Hausarzt, bei dem man bereits in Behandlung ist, ist zudem verpflichtet, nach Hause zu kommen, wenn man nicht in der Lage ist, die Praxis aufzusuchen.

-Wie viele Zweitmeinungen darf man einholen?

Bei einem komplizierteren gesundheitlichen Problem ist es vertretbar, sich eine Zweitmeinung einzuholen. Darüber sollte man offen mit dem Arzt sprechen. Dieser kann eine Überweisung zu einem Kollegen ausstellen. Doch auch ohne ein solches Formular kann man einen anderen Mediziner aufsuchen. Man muss dann aber ein weiteres Mal die Praxisgebühr bezahlen. "Bei Unklarheiten spricht auch nichts dagegen, einen dritten oder vierten Arzt aufzusuchen", sagt Kai Vogel, Gesundheitsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auf der Versicherungs-Chipkarte sei nicht gespeichert, wie viele Ärzte man konsultiert habe. "Diese enthält nur reine Verwaltungsdaten, wie Name, Adresse und Angaben zur Krankenkasse."

-Ist es erlaubt, seine Krankenakte einzusehen?

Ja. Wer seine Röntgenbilder, Arztberichte oder Testergebnisse einsehen möchte, wird oft mit der Aussage abgespeist, dass dies nicht üblich ist. Dabei habe der Patient einen gesetzlichen Anspruch darauf, sagt Edeltraud Paul-Bauer von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Sogar Kopien darf er verlangen. Werden die Dokumente dann doch herausgegeben, seien sie oft nicht vollständig. Paul-Bauer rät, die Unterlagen schriftlich anzufordern. "Das fällt einem meist leichter, als sich mündlich vor dem Arzt zu behaupten."

-Wie viel Mitspracherecht hat man im Krankenhaus?

Patienten, die ins Krankenhaus müssen, sind angehalten, die Klinik in nächster Nähe des Wohnortes zu wählen. Ausnahmen gibt es, wenn die Behandlung der Krankheit eine Spezialklinik erfordert. Grundsätzlich benötigt man für einen Krankenhausaufenthalt eine Überweisung des Arztes. Wenn man sich selbst in eine Klinik freier Wahl fern des Wohnortes einweist, kann die Kasse eventuell entstehende Mehrkosten dem Patienten in Rechnung stellen.

In der Klinik hat man keine Möglichkeit mehr, sich den behandelnden Arzt auszusuchen. In der Regel ist der diensthabende Arzt zuständig. Das kann auch mal ein Assistenzarzt sein. Wenn es sich nicht um eine komplizierte Krankheit handelt, die einen Spezialisten erfordert, kann man in der Regel auch nicht beeinflussen, wer eine Operation und eine Narkose durchführt.

Privatpatienten sind im Krankenhaus im Vorteil gegenüber gesetzlich Versicherten. Sie dürfen sich auch hier den Arzt auswählen und auch das Krankenhaus, selbst wenn es sich 300 Kilometer weit vom Wohnort entfernt befindet. Das Recht der freien Arzt- und Krankenhauswahl können sich Kassenpatienten nur über eine private Zusatzversicherung (stationärer Zusatztarif) sichern.

-Darf der Arzt Informationen weitergeben?

Mit wenigen Ausnahmen darf der Arzt Informationen über seinen Patienten nicht an Dritte weitergeben, ohne dies mit dem Patienten geklärt zu haben. Auch Angehörige haben kein Recht darauf, Informationen beim Arzt einzuholen. Selbst die Krankenkasse erhält in der Regel keine Patientendaten, ebenso wenig wie der Arbeitgeber bei einer Krankschreibung.

Es gibt aber Ausnahmen, etwa bei Komplikationen bei medizinisch nicht notwendigen Eingriffen wie Schönheitsoperationen, Tattoos oder Piercings. Sie müssen dann durch den Arzt an die Kasse gemeldet werden, da diese den Versicherten an den Kosten zu beteiligen hat.

-Wann erhält man eine Rehamaßnahme?

Patienten haben bei bestimmten medizinischen Indikationen und nach ärztlicher Empfehlung einen Rechtsanspruch auf eine Kur. Allerdings scheuen viele Ärzte das langwierige Antragsprozedere. Chancen auf eine Bewilligung der Kur haben nur Patienten, bei denen andere ambulante Maßnahmen keine Wirkung zeigen und nur eine intensive, dauerhafte Behandlung weiterhelfen kann.

Mehr Informationen

zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 0900/1 25 26 65 54 40 (62 Cent/Minute, 6 Seiten) bis zum 22.8.2008. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 90 Cent frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort "Patientenrechte" an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

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