Krankenkasse: Lohnen sich private Zusatzversicherungen?

- Zahnimplantate, Heilpraktiker-Behandlungen oder Brille: Was die Krankenkassen (GKV) nicht zahlen, können Patienten durch private Zusatzversicherungen abdecken. Unbedingt nötig sind die Ergänzungen nicht. Einige können aber durchaus sinnvoll sein. Was sich lohnt, schreibt die Stiftung Warentest in der Novemberausgabe von "Finanztest".

<P>Wer Leistungen, die die GKV nicht übernimmt, zusätzlich versichert, muss die Kosten dann immerhin nicht mehr komplett selbst tragen. Die Angebote umfassen Zuschüsse zum Zahnersatz, zur Heilpraktikerbehandlung oder für die neue Brille. Zusatzpolicen werden seit Januar von den gesetzlichen Versicherungen vermittelt. Man kann sie aber auch direkt bei einer privaten Kasse abschließen. Die angebotenen Pakete enthalten gleich mehrere Leistungen.</P><P>Schöne Zähne</P><P>Zahnersatz bleibt weiter eine Leistung der GKV, eine Zusatzversicherung ist deswegen nicht zwingend notwendig. Die Kassen übernehmen in Zukunft 50 bis 80 Prozent einer festgelegten Summe (befundbezogener Festzuschuss). Das bedeutet: Wer einen aufwändigeren Zahnersatz wählt, muss mehr zuzahlen. Bei einem billigeren wird das entsprechend weniger. Entscheidend ist, dass der Festzuschuss auch gezahlt wird, wenn der Patient statt der sonst üblichen Brücke ein Implantat möchte. Eine private Zusatzversicherung deckt hier etwa 20 bis 30 Prozent der Kosten ab. Dafür gibt es aber eine Obergrenze, sodass gesetzliche und private Versicherung zusammen maximal 80 bis 90 Prozent erstatten. Für Füllungen gilt Ähnliches: Die GKV zahlt nur den Satz für eine normale Amalgamfüllung. Wer ein teures Inlay möchte, muss die Differenz selber zahlen. Manche Zusatzversicherungen übernehmen hier 20 bis 30 Prozent.</P><P>Heilpraktiker</P><P>Behandlungen beim Heilpraktiker waren noch nie gesetzliche Leistungen. Wer dort behandelt werden möchte, zahlt die Rechnung selbst. Eine Extraversicherung erstattet in der Regel etwa 50 bis 80 Prozent - allerdings nur bis zu einer jährlichen Obergrenze.</P><P>Besser sehen</P><P>Brillen und Kontaktlinsen müssen seit diesem Jahr komplett selbst finanziert werden. Die Zusatzversicherung übernimmt normalerweise 80 bis 100 Prozent der Kosten für eine neue Brille. In der Regel lohnt sie sich aber nicht, weil die Beiträge - selbst bei den günstigsten Tarifen - auf Dauer die maximale Leistung übersteigen. Ein 33-jähriger Mann zahlt beispielsweise bei der Asstel (Tarif Kenü) monatlich 8 Euro Beitrag. Das sind 192 Euro in zwei Jahren. Im gleichen Zeitraum übernimmt die Kasse aber höchstens 180 Euro für neue Sehhilfen.</P><P>Schutz im Urlaub</P><P>Der Krankenversicherungsschutz ist bei Auslandsreisen - je nach Zielland - unterschiedlich stark eingeschränkt. Die Zusatzpolice weitet diesen Schutz aus und deckt auch einen Krankentransport nach Hause ab. Eine separate Jahresversicherung kostet etwa 5 bis 15 Euro im Jahr, unabhängig vom Alter des Versicherten. Der Einzelvertrag kann vom Anbieter allerdings gekündigt werden, was in der Regel passiert, wenn der Kunde das 70. Lebensjahr erreicht. Gerade für Senioren kann daher eine Reiseversicherung in einem Ergänzungspaket, das auch andere Leistungen enthält, sinnvoll sein. Dieses kann nämlich nicht gekündigt werden.</P><P>Was ist sinnvoll?</P><P>Überlegen Sie sich genau, was Sie versichern wollen und was nicht. Policen für Zahnersatz und Brillen können Sie auch separat abschließen. Heilpraktiker-Behandlungen gibt es nur in Paketen mit anderen Leistungen. Die Zeitschrift "Finanztest" rät darüber hinaus, nicht gleich das Zusatzangebot, das Ihnen Ihre GKV macht, anzunehmen. Die Zusatzversicherungen der privaten Anbieter, die für alle Kunden offen sind, entsprechen Ihren individuellen Ansprüchen möglicherweise sehr viel besser.<BR></P>

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