Überschüsse

Krankenkassen nicht mehr auf Rekordkurs

Berlin - Die gesetzliche Krankenversicherung hat im ersten Quartal 2013 ein Defizit von 915 Millionen Euro eingefahren und damit den jahrelangen finanziellen Rekordkurs verlassen.

Die Reserven gingen auf 27,7 Milliarden Euro zurück, wie das Bundesgesundheitsministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Bis Ende 2012 war das Polster von Gesundheitsfonds und den einzelnen gesetzlichen Krankenkassen auf 28,3 Milliarden Euro angewachsen. Auch im Jahr davor gab es finanzielle Rekordmeldungen. Bei den einzelnen Krankenkassen allein wuchsen die Finanzreserven sogar seit 2006 immer weiter an. Nun dürfte es nach den Erwartungen in der Branche vorerst vorbei sein mit der Rekordentwicklung in der Krankenversicherung.

Zwar bleiben die Beitragszahler auch im kommenden Jahr von Zusatzbeiträgen wahrscheinlich verschont, wie die Chefin des Kassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, mitteilte. Doch gebe es große finanzielle Risiken. Die Ausgaben für Diagnosen und Therapien stiegen seit Jahren weit stärker als die für die Einnahmen maßgebliche Lohnentwicklung.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte: „Die positive Finanzentwicklung der letzten Jahre setzt sich erfreulicherweise auch zu Beginn dieses Jahres fort.“ Mehr als sieben Millionen Versicherte werden von Prämienauszahlungen von insgesamt bis zu 700 Millionen Euro profitieren.

In den ersten drei Monaten 2013 wiesen die Kassen einen Überschuss von rund 850 Millionen Euro aus. Der Gesundheitsfonds, die Geldsammel- und Verteilstelle der Kassen, verzeichnete ein Defizit von 1,8 Milliarden Euro. Laut Ministerium ist genug Geld da, um etwa mit den Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe fertigzuwerden. Der Kassenverband hatte bereits empfohlen, dass für Betroffene Beiträge über Monate gestundet werden sollen.

Die Ortskrankenkassen erzielten Überschüsse von insgesamt rund 449 Millionen Euro, die Ersatzkassen rund 134 Millionen Euro. Das Defizit des Fonds rührte unter anderem daher, dass der Steuerzuschuss 2013 von 14 auf 11,5 Milliarden Euro aus Spargründen gekürzt und die Kürzung nun wirksam wurde.

Je Versicherten gab es im ersten Quartal 2013 um 4,3 Prozent höhere Ausgaben. Die Arzneimittelausgaben stiegen um 0,1 Prozent. Konkretere Prognosen zur weiteren Finanzentwicklung werden offizielle Schätzer im Oktober abgeben.

dpa

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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