Krankenkassen wollen die neue Praxisgebühr zurückzahlen

- München - Die Praxisgebühr sorgt für viel Ärger: Ärzte jammern, dass sie Inkassogehilfen der Krankenkassen seien, Patienten sind wütend über den Obolus, den sie zusätzlich auf die Krankenkassenbeiträge draufzahlen müssen - ein rabiater Patient schlug gar seinen Arzt und die Artzhelferin nieder. Nun will die DAK ihren Mitgliedern die Praxisgebühr erstatten.

<P>Die Deutsche Angestellten Krankenkasse plant, ihren Mitglieder die zehn Euro pro Quartal zurückzuzahlen, wenn sie gewisse Auflagen einhalten. Dazu gehört in erster Linie das Hausarztmodell, das heißt, der Patient muss als erstes zu seinem Hausarzt gehen und sich von ihm gegebenenfalls zu einem Facharzt überweisen lassen. Weiter sollen DAK-Mitglieder, die an einem Chronikerprogramm oder einer Integrationsversorgung teilnehmen, die Praxisgebühr zurückbekommen.</P><P>"Allerdings ist das noch Zukunftsmusik, wir führen Gespräche mit den kassenärztlichen Vereingungen und müssen mit den Ärzten noch Rahmenverträge abschliesen", sagte Jörg Bodanowitz von der DAK in Hamburg.</P><P>Das Gesundheitsreformgesetz sieht ausdrücklich vor, dass die gesetzlichen Krankenkassen Boni gewähren und Zuzahlungen ermäßigen. Eine der vielen Zuzahlungen ist die seit 1. Januar fällige Praxisgebühr. Diese sei auch kein "Krankenkassen-Notopfer" wie der Freie Verband Deutscher Zahnärzte der Öffentlichkeit weis machen wolle, sondern ein Vorschuss auf das Honorar des Arztes, sagte der DAK-Sprecher. Bei privaten Leistungen scheuten sich die Ärzte auch nicht, Bargeld entgegenzunehmen.<BR>Auch die Techniker Krankenkasse und die AOK Bayern sehen Ermäßigungen bei den Zuzahlungen vor. "Wir streben eine Vereinbarung mit der kassenärztlichen Vereinigung bis Februar an", sagte Klaus Schwarzer von der AOK Bayern. </P><P>Vertreter der Ärzteschaft und der Krankenkassen haben beschlossen, einige Punkte der Gesundheitsreform zu korrigieren. Die Praktiker des Gesundheitswesens meinen, damit ihre Hausaufgaben erledigt zu haben. "Alle von Krankenkassen und Kassenärzten zu klärenden Probleme bei der Praxisgebühr hat die gemeinsame Selbstverwaltung nun gelöst", sagte Andreas Köhler, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Bis in die letzten Details soll nun festgelegt sein, wann welche Zuzahlungen gelten und wann die neue Praxisgebühr von zehn Euro entfallen darf.</P><P>Bei chronisch Kranken wurde eine Zuzahlungsregelung formuliert (wir berichteten), die auch dem Sozialverband VdK und den Verbraucherschützern als akzeptabel gilt. Fahrtkosten zum Arzt sollen für andernfalls hilflose Patienten weiter von der Kasse übernommen werden. Rezepte für die Anti-Baby-Pille wollen die Ärzte für sechs Monate ausstellen statt nur für drei wie bisher häufig üblich. Das erspart den Patientinnen die Gebühr für das Folgerezept im zweiten Quartal.</P><P>Den Eintrittspreis für die Arztpraxis hatte der Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe vorgeschlagen. Damit sollte das ständige Rennen einiger Patienten von einem Arzt zum anderen unterbunden werden.</P>

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