Krankenversicherung: Rückkehr in die Gesetzliche

München - Jeder zehnte Bundesbürger ist privat krankenversichert. Mancher würde gerne wieder in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wechseln - etwa wenn Kinder kommen, die bei den Kassen kostenfrei mitversichert sind. Doch wann ist die Rückkehr möglich?

Versicherungspflichtig in der GKV ist, wer 2008 im Jahresschnitt maximal 4012,50 Euro pro Monat (48 150 Euro pro Jahr) brutto verdient. Wer mehr bekommt und auch in den vorangegangenen drei Kalenderjahren die Versicherungspflichtgrenze überschritten hat, ist krankenversicherungsfrei und kann sich entweder freiwillig gesetzlich oder privat versichern.

Eine spätere Rückkehr in die "Gesetzliche" ist nur in einigen wenigen Fällen möglich. Schließlich will der Gesetzgeber dem "Rosinenpicken" einen Riegel vorschieben und verhindern, dass Verbraucher sich zunächst privat versichern und im Alter oder wenn Kinder kommen in die dann finanziell günstigere gesetzliche Kasse wechseln.

Weniger Einkommen

Sinkt das Einkommen unter die (jährlich angepasste) Versicherungspflichtgrenze, dann müssen die Betroffenen in aller Regel wieder in die GKV. "Das geht von heute auf morgen", sagt Uwe Werner von der Knappschaft.

Ein Beispiel: Das Oktobergehalt beträgt statt vorher 4100 nur noch 3750 Euro. Dieses Monatsgehalt wird auf einen Zwölf-Monats-Zeitraum hochgerechnet. Denn die Kassen gehen immer von der Gehaltssituation in der Zukunft aus, selbst wenn in der Vergangenheit mehr verdient wurde. Damit ergibt sich im Beispiel ein prognostizierter Jahresverdienst von: 12 x 3750 Euro = 45 000 Euro. Hinzu kommen noch Weihnachtsgeld und sonstige vertraglich zugesicherte Sonderzahlungen von - hier unterstellten - 3000 Euro. Unter dem Strich werden so für die künftigen zwölf Monate 48 000 Euro (im Schnitt 4000 Euro pro Monat) prognostiziert - ein Gehalt unter der Versicherungspflichtgrenze.

"Dann muss der Betroffene seine private Versicherung kündigen und sich wieder bei uns oder einer anderen gesetzlichen Krankenkasse versichern", erklärt Knappschafts-Experte Werner.

Wer schon Ende 2002 privat versichert war, für den liegt allerdings die für die Rückkehr in die GKV entscheidende Versicherungspflichtgrenze bei nur 3600 Euro im Monat beziehungsweise 43 200 Euro im Jahr.

Entgeltumwandlung

Mit Einzahlungen in die betriebliche Altersvorsorge lässt sich die kritische Grenze unterschreiten. Derzeit können Arbeitnehmer bis zu 212 Euro ihres laufenden Bruttomonatseinkommens (2544 Euro pro Jahr) beitragsfrei und damit entgeltmindernd über eine Entgeltumwandlung für die Altersvorsorge abzweigen und so ihre sozialbeitragspflichtigen Einkünfte senken. Falls dies nicht ausreicht, um wieder in der GKV versicherungspflichtig zu werden, können weitere Einkommensbestandteile auf einem Langzeit- bzw. Lebensarbeitszeitkonto "geparkt" werden. Sozialversicherungsbeiträge und Steuern fallen dann erst an, wenn die angesparten Rücklagen genutzt werden - etwa für eine längere Auszeit vom Job oder für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben.

Arbeitslosigkeit

Wer seinen Job verliert und Arbeitslosengeld (ALG) I bezieht, wird so (wieder) in einer gesetzlichen Kasse versicherungspflichtig. Selbst wenn er anschließend wieder einen gut dotierten Job findet, kann er dann weiterhin gesetzlich versichert bleiben.

Ältere chancenlos

Rückkehr-Möglichkeiten gelten nur für Arbeitnehmer unter 55 Jahren. Langjährig privat versicherten Arbeitnehmern, die 55 oder älter sind, ist dagegen die Rückkehr in die GKV in der Regel versperrt - auch wenn ihr Einkommen die Versicherungspflichtgrenze unterschreitet oder sie ALG I beziehen.

Für sie bleibt meist nur in einer Notlage eine Hintertür zur GKV: Wer als bedürftig gilt und Arbeitslosengeld II erhält, ist in jedem Fall gesetzlich versicherungspflichtig. Er kann auch nach dem Ende des Hartz-IV-Bezugs in der gesetzlichen Kasse bleiben.

Mehr Informationen

zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 0900/125 26 65 52 40 (62 Cent/Minute, 6 Seiten) bis 17. Oktober. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort "Rückkehr in die GKV" an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

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