Krankenversicherung

So geht der Tarifwechsel für Privatversicherte

Privatversicherte haben kaum eine Möglichkeit, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Was bleibt, ist der Wechsel in einen günstigeren Tarif beim Versicherer.

In der privaten Krankenversicherung steigen vor allem bei älteren Kunden die Beiträge und eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist kaum möglich. Kunden können aber bei ihrem Versicherer in einen günstigeren „gleichartigen“ Tarif wechseln und behalten dabei alle im bisherigen Vertrag erworbenen Rechte – vor allem die Rückstellungen, die der Versicherer für höhere Krankheitskosten im Alter gebildet hat.

Auf dieses im Versicherungsvertragsgesetz garantierte Wechselrecht weist die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift „Finanztest“ hin. Für Leistungen, die bereits im jetzigen Vertrag enthalten sind, darf es im neuen Vertrag keine neuen Wartezeiten, Risikozuschläge oder Ausschlüsse geben.

Leistungen in Ruhe vergleichen

Damit ein Tarifwechsel sich auch langfristig lohnt, kommt es nicht nur auf die Höhe des Beitrags, sondern auch auf die Leistungen an. Das Wechselrecht in „gleichartige“ Tarife bedeutet nämlich nicht, dass die Verträge identisch sind. Es heißt lediglich, dass jemand zum Beispiel von einem Tarif, der ambulante, stationäre und Zahnleistungen umfasst, in einen anderen wechseln darf, der ebenfalls diese Leistungsbereiche abdeckt.

Um den Umfang der Leistungen muss sich der Kunde selber kümmern. Dazu muss er seinen eigenen Vertrag gut kennen und Alternativen Punkt für Punkt vergleichen: Bis zu welcher Höhe zahlt der Versicherer etwa Zahnersatzkosten oder Arzthonorare? Wäre es akzeptabel, statt des Einbettzimmers im Krankenhaus ein Zweibettzimmer zu nehmen? In welchem Umfang sieht der Vertrag Leistungen für Heilpraktikerbehandlung oder teure Hörgeräte vor? Wie hoch ist der jährliche Selbstbehalt – also der Betrag, bis zu dem ein Kunde Kosten aus eigener Tasche tragen muss?

Dienstleister helfen gegen Geld

Verschiedene Dienstleister bieten Versicherten Hilfe beim Tarifwechsel an. Sie nehmen Maklersoftware oder eigene Datensammlungen zu Hilfe, um Licht ins Dunkel zu bringen. Bei einer Internetrecherche stieß Finanztest auf mehr als 80 Anbieter, die Unterstützung versprechen – teils gegen Stunden-, teils gegen Erfolgshonorar.

Auch der Verband der Privaten Krankenversicherung sieht Handlungsbedarf und hat „Leitlinien für einen transparenten und kundenorientierten Tarifwechsel“ herausgegeben. Die Mehrzahl der Unternehmen hat sich freiwillig dazu verpflichtet, diese seit dem 1. Januar 2016 einzuhalten.

Keine Angst vor Gesundheitsfragen

Sieht der neue Tarif Mehrleistungen vor, stellt der Versicherer hierfür erneut Gesundheitsfragen und darf für Erkrankungen einen Risikozuschlag verlangen oder Leistungen ausschließen. Verlangt der Versicherer einen zu hohen Risikozuschlag, hat der Kunde das Recht, die Mehrleistungen auszuschließen.

Aus Angst vor der Gesundheitsprüfung von vorneherein pauschal auf alle Mehrleistungen zu verzichten, sei falsch, schreibt „Finanztest“. In vielen Fällen bekommen Kunden den Vertrag mit besseren Leistungen nämlich ohne Probleme.

Verlangt der Versicherer einen Risikozuschlag, muss er mitteilen, welches medizinische Risiko dazu geführt hat. Auch das ist noch nicht das letzte Wort – bleibt ein Versicherter hartnäckig, wird er den Zuschlag unter Umständen noch los.

Beschwerdestellen

Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung:

0800/2 55 04 44, ombudsmann@pkv-ombudsmann.de

Finanzaufsicht Bafin: 0228/ 29 97 02 99, poststelle@bafin.de

Marktwächter der Verbraucherzentralen: fmw@vzhh.de

„Finanztest“ rät zu einer Beschwerde, falls der Versicherer nicht hilft. Der Versicherer sollte über die Beschwerde in Kenntnis gesetzt werden.  mm

Rubriklistenbild: © Franziska Koark / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Daimler ordnet Rückruf von 690.000 Diesel an - So viele deutsche Autos sind betroffen
Dem Mercedes-Konzern steht eine riesige Rückrufaktion bevor. Grund dafür ist der Abgasskandal und es betrifft sämtliche KFZ-Klassen des Herstellers.
Daimler ordnet Rückruf von 690.000 Diesel an - So viele deutsche Autos sind betroffen
Rückruf für 690.000 Daimler-Diesel angeordnet
Berlin/Stuttgart (dpa) - Der Autobauer Daimler muss bei dem schon angekündigten Rückruf wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung europaweit …
Rückruf für 690.000 Daimler-Diesel angeordnet
Griechenland-Rettung: EU feiert - die Griechen weniger
Das letzte Rettungsprogramm für Athen ist abgeschlossen, insgesamt 289 Milliarden Euro an Krediten überwiesen. Griechenland sei nun wieder ein "normales Land", sagt …
Griechenland-Rettung: EU feiert - die Griechen weniger
Pepsi übernimmt Sprudelgeräte-Hersteller Sodastream
Die großen Getränkemultis tun sich schwer: Kalorienreiche Softdrinks wie Cola und Limo sind out - gesündere Alternativen müssen her. Der US-Branchenriese Pepsi will …
Pepsi übernimmt Sprudelgeräte-Hersteller Sodastream

Kommentare