Kranker Riese: Warum GM an der Börse weniger wert ist als BMW

- München - Die Erfolgsfahrt der bayerischen Autobauer in den USA ist offenbar nicht aufzuhalten. So ließ BMW bei den Verkäufen in Amerika mehrfach den Erzrivalen Mercedes hinter sich. Doch nicht nur hier rollen die Münchner auf der Überholspur. Im Börsenwert sind sie deutlich am - nach Stückzahlen - weltweiten Branchenprimus General Motors vorbeigezogen. Der hat einen Wert von nur noch 20,6 Milliarden Euro, BMW liegt derzeit bei 23,05 Milliarden.

<P>Ford liegt noch deutlicher dahinter. Und Daimler-Chrysler rangiert nur noch gut ein Viertel vor BMW - obwohl die gesamte Nutzfahrzeugsparte und mit Chrysler der drittgrößte US-Autobauer sowie die Beteiligungen an Mitsubishi sowie am Luftfahrtkonzern EADS einzurechnen sind.<BR><BR>"Größe ist nicht Qualität", sagt Albrecht Denninghoff, Automobil-Analyst der HypoVereinsbank in Hinblick auf die US-Konzerne. Deren Bewertung geht nicht nur auf schwer verkäufliche Modelle und die andauernde Rabattschlacht um die Gunst der US-Käufer zurück. Die Hersteller haben ein Problem. Von Verbindlichkeiten außerhalb der Bilanz spricht Denninghoff. Vor allem die betriebliche Krankenversicherung wächst der US-Industrie über den Kopf. Was deutsche Unternehmen um den Preis gigantischer Lohnnebenkosten an eine halbstaatliche Kasse abschieben, führen die Konkurrenten neben ihrem offiziellen Zahlenwerk mit sich herum. Zahlungen tauchen als laufender Aufwand auf.<BR><BR>Ein ähnlich großes Problem war die Unterdeckung der betriebseigenen Pensionsfonds, die 2002 allein für General Motors auf 19,3 Milliarden US-Dollar angewachsen war. Allerdings hat man dieses Problem mit einer Wandelanleihe gelöst. Immerhin haben die Kapitalmärkte die mit 17,5 Milliarden Dollar größte je von einem Unternehmen begebene Anleihe geschluckt.<BR><BR>Doch auch im europäischen Vergleich steht BMW erstaunlich gut da: Der deutsche Branchenführer VW ist an der Börse mehr als ein Drittel weniger Wert und liegt nun deutlich hinter Renault, aber noch klar vor Peugeot. Von den großen Europäern nimmt Fiat den letzten Platz ein, deutlich hinter dem Stückzahlen-Zwerg Porsche (das italienische Abenteuer lastet auch noch bleischwer auf dem Großaktionär GM).<BR><BR>Auch dieses Verhältnis bestätigt, dass BMW mit der Premium-Strategie - der Beschränkung auf noblere Fahrzeuge - richtig lag. Zumindest auf den ersten Blick. Doch ganz oben im Börsenwertvergleich findet man Beispiele, die diese Einschätzung ein wenig zurechtrücken. Denn auch Massenhersteller können an der Börse erfolgreich sein - derzeit aber nur, wenn sie aus Japan kommen. Toyota hat bei den Stückzahlen die sieche Ford-Gruppe überholt und liegt beim Börsenwert trotz des eigentlich ausgeprägteren Stigmas "Massenhersteller" unangefochten an der Spitze der Börsenwert-Tabelle. Dahinter folgen die wichtigsten Konkurrenten aus Nippon: Nissan und Honda.<BR><BR>Eine immer wichtigere Rolle spielen die Zulieferer, die immer größere "Systeme" an ihre Auftraggeber liefern. Sie erreichen längst eine ähnliche Größenordnung wie kleinere Hersteller. Nicht nur an der Börse, auch in der Praxis: Der neue BMW X3 kommt komplett aus dem österreichischen Magna-Werk.<BR></P>

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