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Krasse Unterschiede bei Gaspreisen: Kartellamt rügt Energie-Versorger

- München - Drastische Unterschiede bei den Gaspreisen hat das Bundeskartellamt bei seinem ersten bundesweiten Tarifvergleich festgestellt. Die Preisdifferenzen für die gleiche Gasmenge betrugen danach bis zu 59 Prozent. Kartellamtspräsident Ulf Böge rügte deshalb: "Im Gasbereich kommt der Wettbewerb trotz der Liberalisierung nur schleppend in Gang." Angesichts hoher Preise komme der Kontrolle der Anbieter durch die Wettbewerbsbehörde besondere Bedeutung zu.

Der von der Kartellbehörde veröffentlichte Gaspreisvergleich umfasst die Angebote von über 700 Gasversorgern im ganzen Land und macht verblüffende Preisunterschiede sichtbar. So schwankt der Preis für die Versorgung eines Einfamilienhauses mit 20\x0f000 Kilowattstunden im Jahr laut Bundeskartellamt zwischen 972 Euro bei den Städtischen Werken Magdeburg in Sachsen-Anhalt und 1392,80 Euro bei der bayerischen Inngas. Der Preisunterschied beträgt damit auch hier mehr als 43 Prozent. Auch bei der Abnahme noch größerer Gasmengen etwa für ein frei stehendes Einfamilienhaus oder ein Sechsfamilienhaus lagen die Preisunterschiede bei über 40 Prozent.

Viele oberbayerische Gasversorger sind auf der Liste im hinteren Mittelfeld oder gar im letzten Drittel der teuersten Anbieter anzutreffen. So zum Beispiel findet sich Eon Bayern, je nach Abnahmemenge, auf Platz 484 bis 596 von insgesamt rund 700 Anbietern. Eon-Bayern-Prokurist Ludwig Schiebler erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass man als Flächenversorger nachweisbar erheblich höhere Netzentgelte bezahlen müsse als Versorger in gut erschlossenen städtischen Gebieten. Dazu komme, dass aufgrund der geographischen Lage der Norden geringere Beschaffungskosten als der Süden habe. Zudem, so Eon-Sprecher Josef Schönhammer, handele es sich bei der Kartellamtserhebung um eine Momentaufnahme vom 15. November. Eon habe indes zum 1. Januar die Erdgaspreise um 4 Prozent gesenkt. Beziehe man das und die Möglichkeit des Sondertarifs Erdgas Plus mit ein, so würde Eon Bayern nach eigener Berechnung auf der Kartellamtsliste auf Rang 137 landen.

Eine ähnliche Rechnung haben die Stadtwerke München parat. Würde der sogenannte SWM Erdgas-Internet-Tarif berücksichtigt, fände man sich in der 20\x0f000-Kilowattstunden-Kategorie auf Platz 468, statt auf 612. Zudem müssten die Stadtwerke eine zehnmal höhere Konzessionsabgabe ­ nämlich 0,46 Cent je Kilowattstunde ­ an ihre Kommunen abführen, als viele andere Gasversorger. Bereinigt um diese Effekte liege man bayern- wie auch bundesweit im günstigsten Drittel.

Kartellamtspräsident Böge betonte indes, angesichts der hohen Preise sei es für Wirtschaft und Verbraucher wichtig, dass die Kartellbehörden prüften, ob die Gasversorger die marktbeherrschende Stellung in ihrem Versorgungsgebiet bei der Preissetzung missbräuchlich ausnutzten.

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