Kratzen am Qualitätssiegel: EU rüttelt an "Made in Germany"

- München - Die Europäische Kommission kratzt am Gütesiegel "Made in Germany". Handelskommissar Pascal Lamy erwägt, die Marke zu verbieten und alle Unternehmen zu zwingen, einheimische Produkte mit "Made in the EU" zu kennzeichnen. Industrie, Verbände und Markenexperten sind entsetzt: Vor allem in Fernost gilt das deutsche Herkunftssiegel als Qualitätsbeweis.

<P align=left>Laut einem internen Arbeitspapier des Kommissars soll der Missbrauch von Herkunftsbezeichnungen eingedämmt werden, bestätigte eine Sprecherin. Einige Anbieter produzieren in Asien, verkaufen ihre Produkte aber als "Made in Germany". Das will Lamy verhindern und einen EU-weiten Standard einführen. Sein Vorschlag enthält drei Szenarien: von freiwilliger Kennzeichnung bis zur Pflicht. Es lohne sich, das näher zu prüfen, sagte seine Sprecherin. Das bedeute nicht unbedingt ein Verbot von "Made in Germany".</P><P align=center></P><P><BR>Die Industrie reagiert entsetzt. Höhere Kosten, Bürokratie und den Verlust des Werbefaktors fürchten die Verbände. "Wir sehen selbst in einer freiwilligen Regelung mehr Nachteile als Vorteile", sagte der Industrie-Bundesverband BDI der "Financial Times Deutschland". Die Pflicht-Kennzeichnung hält man ohnehin für indiskutabel. <BR><BR>Der deutsche Stempel gilt weltweit als Gütesiegel. Die Konzerne setzen bewusst auf den Hinweis zur Herkunft. Die meisten Kunden wollten auf jeden Fall "Made in Germany", sagt etwa Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Jeder Fünfte würde keinen Porsche kaufen, falls der irgendwo anders herkommt. Den Cayenne zum Beispiel, der in Leipzig gebaut und zu 80 Prozent im Ausland verkauft wird, hätte man in Osteuropa billiger produzieren können. Aber "nahezu alle Befragten erklärten sich bereit, einen Premium-Preis zu zahlen" für ein in Deutschland gefertigtes Modell, sagt Wiedeking.<BR><BR>"EU steht nur für: Das ist alles der gleiche Mist."<BR>Marken-Experte Wally Olins</P><P>Siemens kennzeichnet seine Geräte mit dem Herkunftsnachweis des Landes, in dem das Produkt zusammengeschraubt wurde. "Wir würden ungern darauf verzichten", sagt Konzernsprecher Karlheinz Groebmair. Aufmerksamen Käufern sei das sehr wichtig. Er bezweifelt, ob ein "Made in the EU" ein gleichwertiger Ersatz wäre.<BR><BR>"Speziell in Asien hat ,Made in Germany noch eine hohe Bedeutung", erinnert ein MAN-Sprecher. Im Bereich Druckmaschinen etwa ist für das Unternehmen die Herkunft ein Verkaufsargument. Nicht alle Konzerne aber messen dem Deutsch-Siegel so großen Wert bei. Die BMW Group etwa ist sich selbst Marke genug und fertigt zudem international nach den gleichen Standards, ähnlich wie Daimler-Chrysler.<BR><BR>Der Vorstoß der Kommission ist noch in einem frühen Stadium. Vor allem die italienische Regierung soll sich dafür stark gemacht haben. Deutsche Parlamentarier zweifeln am Sinn der Idee. ",Italienische Mode sagt jedem etwas, ,europäische Mode ist ein nebulöses Nichts", spottet Wirtschaftsexperte Alexander Radwan (CSU). Lamys Vorschlag sei ein weiterer Schritt zur europäischen Gleichmacherei.<BR><BR>Markenexperten urteilen noch härter. Wally Olins, Chef von Saffron Brand Consultants, sagte, ein Siegel "Made in the EU" sei kein Ersatz: "EU steht nur für: Das ist alles der gleiche Mist."</P>

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