Dax kratzt an der 6000er-Marke: Geht dem Index jetzt die Luft aus?

- Nach monatelanger Aufholjagd hat der Deutsche Aktienindex (Dax) am Freitag erstmals seit mehr als vier Jahren wieder die 5900-Punkte-Marke übersprungen. Doch während mancher Börsenprofi bereits von 6000 Zählern träumt, prophezeien Pessimisten ein Ende des Kursfeuerwerks, das etwa Adidas oder die Deutsche Bank zuletzt wieder in die Nähe ihrer historischen Höchststände trieb. Anlegern wird empfohlen, ruhig, aber auch wachsam zu bleiben.

"Wir erwarten keinen Crash, demnächst aber auf jeden Fall nachgebende Kurse", sagt Ralf Zimmermann, Aktienstratege bei der Privatbank Sal. Oppenheim in Frankfurt. Grund dafür sei zum einen das steigende Zinsniveau, das Kredite für Unternehmen verteuert und gleichzeitig Anlageformen abseits des Aktienmarkts wie Tagesgeld oder Anleihen attraktiver macht. Zum anderen rechnet Zimmermann damit, dass sinkende Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex die Börsenlust abkühlen. Unterm Strich bleibt Sal. Oppenheim deswegen bei der Prognose, dass der Dax am Jahresende bei 5800 Punkten steht.

Ähnlich argumentiert Tammo Greetfeld von der HypoVereinsbank, die den Leitindex in einem halben Jahr bei 5500 sieht. Auch er erwartet, dass die höheren Zinsen dämpfen und zugleich der Ifo-Index, der die Stimmung unter tausenden deutschen Unternehmen widerspiegelt, nach dem Höchststand im März wieder fällt. "Die positiven Erwartungen werden sich nicht weiter steigern lassen", sagt der Aktienexperte. "Wir rechnen deswegen mit einer breiten Seitwärtsbewegung."

Sowohl Greetfeld als auch Zimmermann raten Anlegern nun zur Vorsicht: "Der Risikokontrolle sollte größere Beachtung geschenkt werden", sagt der HVB-Mann. Im Musterdepot der Münchner Bank sei die Aktienquote schon Anfang März von "Übergewicht" auf "Neutral" gesetzt worden. Sein Kollege Zimmermann von Sal. Oppenheim empfiehlt Menschen, die in den Aktienmarkt investieren wollen: "Wer Positionen aufbauen will, sollte warten, bis die Kurse wieder etwas runterkommen."

Korrekturen in nächster Zeit hält auch Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser in Frankfurt, für grundsätzlich möglich. Den Dax auf seinem strammen Marsch nach oben sieht er aber keinesfalls gestoppt. "Ich erwarte ihn Ende nächster Woche bei 6000 Punkten", sagt Helmer, der sich selber zu den optimistischen Marktbeobachtern zählt. Bis zum Jahresende sind seiner Meinung nach sogar noch deutlich höhere Dax-Stände möglich.

Der Aktienhändler begründet seine Zuversicht damit, dass die Leitzinsen selbst bei steigenden Sätzen nach wie vor niedrig seien. Zudem bewertet er die deutschen Aktien noch immer als preiswert und attraktiv. "Die Unternehmen haben ordentliche Geschäftszahlen abgeliefert und gute Ausblicke gegeben", sagt Helmer. Auch die zuletzt bekannt gegebenen Übernahmepläne von Merck (Schering), Linde (BOC) oder Eon (Endesa) täten dem Aktienmarkt gut. Sie seien "das Salz in der Börsensuppe".

Anlegern rät der Börsenprofi eines: "Genau hinschauen, was man kauft." Papiere aus dem Dax, die den extremen Wertzuwachs der vergangenen Monate mitgemacht haben, versprechen seiner Einschätzung nach wenig weiteren Spielraum. Potenzial sieht Helmer hingegen bei Werten wie der Telekom, an denen der Boom vorbei ging. Hier hält er Kursgewinne von zehn Prozent für denkbar.

Alfred Gröschel von der Dresdner Bank in München blickt ebenso zuversichtlich in die Börsenzukunft. Er schätzt, dass der Dax die 6000-Punkte-Hürde im zweiten Quartal nehmen kann. Risiken gingen allerdings von den brodelnden Krisenregionen im Mittleren Osten aus, die den Ölpreis nach oben treiben könnten. Als Gift für den Aktienmarkt könnte sich auch die Vogelgrippe erweisen, sollte sie sich weiter ausbreiten, so der Kapitalmarktexperte. Alles in Allem lautet sein Fazit für die nächsten Monate jedoch: "Wir sind weiter optimistisch."

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