Kredite teurer, Sparen lukrativer

- Frankfurt - Das Ausleihen von Geld wird in den kommenden Monaten spürbar teurer werden. Für ihren Überziehungskredit (Dispo) werden die Verbraucher mehr Zinsen zahlen müssen. Dieses Signal gibt die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit an Banken, Börsen und Konsumenten. Auch nach der vierten Zinserhöhung in Folge im August auf 3,0 Prozent wird der Leitzins weiter nach oben klettern.

Die Banken geben die höheren Kosten auch in diesem Zyklus rasch an ihre Kunden weiter. Über steigende Renditen bei Spargroschen und Geldanlagen können sich die Verbraucher aber bislang nur selten freuen. Die Sparzinsen steigen deutlich langsamer als die Kreditkosten. Dennoch sind kurzfristige Geldanlagen attraktiver geworden. "Die Banken haben bei den Sparzinsen reagiert, aber nur in geringem Ausmaß", sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH.

Nach einer repräsentativen Studie haben die 56 größten deutschen Banken und Sparkassen den Zins für Sparbücher seit Dezember 2005 durchschnittlich nur um minimale 0,04 Prozent angehoben -im gleichen Zeitraum stieg der EZBLeitzins um ein ganzes Prozent. Einen höheren Anteil reichten die Banken bei Tagesgeld und Festgeld an die Kunden weiter. Beim Tagesgeld stiegen die Zinsen im Schnitt um 0,22 Prozent. Stärker profitierten die Verbraucher beim Festgeld mit 0,47 Prozent. Aber auch dies war weniger als die Hälfte der Leitzinserhöhung. Leitzinsen sind der Preis, den Banken und Sparkassen für Geld zahlen müssen, das sie sich von der Notenbank ausleihen.

Eine Leitzins-Erhöhung geben Banken an die Kunden weiter, indem sie ihre Kredite teurer machen. "Nach einer Entscheidung der EZB warten die Banken erstmal ab und freuen sich über ihre höhere Marge", sagt Karsten Junius, Volkswirt der Deka- Bank. "Die Preisgestaltung hängt aber nicht nur von der EZB ab -entscheidend ist die Konkurrenzsituation am Markt." Beim Tagesgeld etwa zwingt der harte Wettbewerb die Banken dazu, ihren Kunden entgegenzukommen. "Die Ankündigung des Platzhirsches ING-Diba, die Tagesgeldzinsen ab 1. September für das Extra-Konto auf 2,65 Prozent zu erhöhen, wird mehr Wirkung haben als die EZB-Leitzinsanhebung", sagt Max Herbst. Da Kunden bei Direktbanken die Zinskonditionen direkt im Internet vergleichen könnten, erfolge die Anpassung dort schneller.

Herbst rät Anlegern dazu, ihr Geld kurzfristig für drei oder sechs Monate anzulegen und mit längeren Anlagen abzuwarten. Umgekehrt ist das Geldleihen bei Überziehungskrediten schon vor den EZB-Entscheidungen teurer geworden. Seit 2001 ist der Dispozins laut FMH nicht entsprechend zum EZB-Zins gesunken. Im Schnitt verlangen deutsche Banken heute 11,4 Prozent Zinsen von ihren Kunden für einen Überziehungskredit. Genau die Hälfte der untersuchten Banken hat seit Ende 2005 teilweise um bis zu 3,5 Prozent erhöht.

Die konjunkturelle Lage ist entscheidend: Als die Notenbank Anfang Dezember vergangenen Jahres zum ersten Mal nach fünf Jahren den Schlüsselzins wieder anhob, reagierte die Kreditwirtschaft bei kurzfristigen Konsumentenkrediten und Dispos für Fernseher, Autos und Handys zurückhaltend. Man wollte sich das lukrative Weihnachtsgeschäft nicht kaputtmachen lassen. Erst im Januar stiegen die Preise für geliehenes Geld -dann aber drastisch. Verbraucherschützer kritisieren das Vorgehen der Banken und Sparkassen als Strategie der Gewinnmaximierung. "Die Banken legen nach Gutsherrenart die Zinsen fest", sagt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv).

Nach Entscheidung der Gerichte dürften Banken bei Sparanlagen mit variablem Zins Leitzinserhöhungen aber nicht ignorieren. "Nach der Rechtsprechung steht das keineswegs im Belieben der Bank. Notfalls muss der Kunde sein Recht einklagen." Bei der Baufinanzierung rechnen Experten trotz der noch zu erwartenden Leitzinsanhebungen nicht mit steigenden Zinsen.

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