Kreditkunden unter Heuschrecken

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Wer bei seiner Bank einen Baukredit abbezahlt, läuft unter Umständen Gefahr, quasi über Nacht bei einem fremden Finanzinvestor in der Kreide zu stehen. Der Verkauf privater Immobiliendarlehen durch deutsche Kreditinstitute nimmt nach Angaben von Verbraucherschützern zu.

Folge für die weitergereichte Kundschaft: Das Risiko, dass ihre Immobilie in der Zwangsversteigerung landet, steigt deutlich an, wie Manfred Westphal, Finanzexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), sagt.

Banken werden riskante Darlehen los

Seit 2003 machen sich die Finanzinvestoren, vor allem amerikanische Hedgefonds und Investmentbanken, am deutschen Markt breit, hat das Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) in einer Studie herausgefunden. 2007 waren rund 60 Schuldenaufkäufer bereits aktiv. Mindestens 150 weitere stünden in den Startlöchern, gut 2000 Aufkäufer sondierten noch die Lage. Ihr Ziel ist es, möglichst günstig Kredite einzukaufen, um sie dann gewinnbringend abzuwickeln, meist in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren.

Der Vorteil für die verkaufenden Banken: Sie können risikoreiche Darlehen und Problemkredite auf diese Weise elegant loswerden. Um die Attraktivität der gehandelten Kreditpakete zu erhöhen, werden auch "gute" Darlehen unter die "faulen" gemischt, die nicht mehr regelmäßig bedient werden können. Bislang seien Forderungen für rund 20 Milliarden Euro weiterverkauft worden, schätzt das IFF.

Weiterverkauf ist zunächst völlig legal

Die Gelackmeierten bei dem Geschäft sind nach Ansicht der Verbraucherschützer Kreditnehmer ­ ganz gleich ob sie mit ihren Monatsraten im Verzug sind oder brav abstottern. Von einem Tag auf den anderen bekommen sie einen neuen Vertragspartner, den sie sich nicht ausgesucht haben und der wenig Interesse an einer langfristigen Kundenbeziehung hat. "Die Hausbank ist nicht einmal dazu verpflichtet, Bescheid zu geben", warnt Stefan Walter, Jurist des Eigentümerverbandes Haus und Grund Deutschland. Der Weiterverkauf von Krediten ist zunächst einmal legal, nicht zuletzt auch abgesegnet vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe vor gut einem Jahr (Aktenzeichen: BGH XI ZR 195/05).

Neuer Gläubiger kann mehr verlangen

Was die verkauften Häuslebauer unterm Strich in den Ruin treiben kann, sind rechtliche Grauzonen, die von den neuen Vertragspartner dann gern ausgenützt würden, wie Westphal erklärt.

Wer bereits bei seiner Hausbank Probleme hatte, seine Monatsraten regelmäßig zu zahlen, dürfte bei einem solchen Investor noch schneller auf den Verlust seines Häuschen zusteuern, wie Stefan Walter sagt. Sobald ein Darlehen "notleidend" wird, der Kreditnehmer also in Rückstand gerät, kann der Vertragspartner es aufkündigen. Was dann normalerweise folgt, ist die Zwangsvollstreckung.

Aber auch die zahlungsfähige Kundschaft werde in der Regel bald nach dem Weiterverkauf Probleme bekommen, warnt Westphal. Möglich wird das unter anderem durch folgenden Kniff: Ein Darlehen kann "notleidend" werden, wenn sich die Sicherheiten oder die Bonität des Schuldners verschlechtert haben. "Wird also behauptet, die Immobilie sei wegen ihrer Lage im Wert gesunken, ist der Baukredit plötzlich kündbar, obwohl er immer brav zurückgezahlt wurde", sagt Verbraucherschützer Westphal.

Politik soll aktiv werden

Außerdem können die neuen Vertragspartner ganz legal mehr als den eigentlichen Darlehenswert vom Kunden verlangen. Denn beim Kreditverkauf ist die als Sicherheit vorgesehene Grundschuld nicht an das Darlehen gebunden. Sie bleibt immer in voller Höhe bestehen. Diese Grundschuld kann vom neuen Gläubiger sofort eingefordert werden. Wer mit der Nachricht eines Weiterverkaufs konfrontiert wird, sollte nicht zögern und sich sofort von Verbraucherschützern oder anwaltlich beraten lassen, empfehlen die Fachleute des vzbv. Die Materie ist kompliziert.

Haus und Grund rät beim Neuabschluss von Baukrediten dazu, mit der Bank ein Abtretungsverbot zu vereinbaren. Selbst auf die Gefahr hin, dass das mit einem höheren Zins verbunden sei, betont Walter. Hilfestellung wird von der Politik erwartet. Derzeit wird über neue gesetzliche Regelungen diskutiert, um die Nachteile für verkaufte Bankkunden besser in den Griff zu bekommen.

Weitere Informationen:

Verbraucherzentrale Bayern,

Mozartstraße 9

80336 München

Telefon (089)/53987-21 oder - 24

Fax: (089 537553 

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