Kreditvergabe nach Punktsystem: Banken schauen auch auf Adresse

- Wer in Zukunft einen Kredit aufnehmen will, lernt zwangsläufig eine neue Maßgröße über sich kennen: den Score-Wert. Denn nicht erst, seitdem Anfang 2007 die Eigenkapitalanforderungen nach EU-Richtlinie "Basel II" eingehalten werden müssen, suchen Banken nach neuen Wegen, um die Kreditwürdigkeit auch von Privatkunden abzuschätzen.

Die neuen Regelungen verpflichten die Banken und Sparkassen, stärker auf die Kreditwürdigkeit (Bonität) ihrer Kunden zu achten. Gewährte Kredite müssen sie durch Eigenkapital unterlegen. Was bisher vornehmlich für Firmenkunden galt, wird verstärkt auch bei Privatkunden angewandt.

Punktesystem

Mit einem Punktesystem (Scoring) soll die Kreditwürdigkeit ­- und damit das Risiko für die Bank -­ besser eingeschätzt werden. Die Kreditinstitute haben zum Teil eigene, sehr unterschiedliche Scoring-Verfahren. Bewertet werden zum Beispiel das bisherige Zahlungsverhalten, bestehende Verbindlichkeiten, das Verhältnis von verfügbarem Einkommen zu fixen Ausgaben; aber auch Familienstand, Alter, Beruf, Arbeitgeber, Dauer der Beschäftigung oder das soziale Wohnumfeld.

Sprich: Jemand, der im Münchner Hasenbergl wohnt, bekommt unter Umständen ein schlechteres Scoring als jemand im nobleren Nymphenburg. Kunden mit besonders guter Bonität erhalten nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Banken auch bessere Zinskonditionen. Das entspreche dem Prinzip der risikogerechten Preissetzung, wie es bei Versicherern schon seit Jahren angewendet werde.

Mangelnde Transparenz

Und genau hier setzt die Kritik der Verbraucherschützer ein: Das Scoring-Verfahren sei intransparent, habe zu wenig Aussagekraft und berücksichtige nicht das Individuum, sagt Helga Springeneer, Juristin der Verbraucherzentrale Bundesverband. "Das hat keine wirkliche Aussagekraft für die Kreditwürdigkeit."

Gerade bei finanzschwachen Verbrauchern könne dies zu höheren Kreditzinsen führen -­ wenn sie überhaupt einen Kredit bekommen.

Die Kunden erfahren selten, welche Faktoren jeweils in den Score-Wert und damit die Kreditbedingungen einfließen. Laut Springeneer berufen sich die Banken dabei auf ihr Geschäftsgeheimnis.

Verbesserte Bewertung

Den eigenen Score-Wert zu verbessern, ist nicht leicht: Laut Bankenverband kann ihn zwar jeder positiv beeinflussen ­ etwa indem er keinen Schuldenberg anhäuft, Kreditverpflichtungen und Rechnungen rechtzeitig bezahlt, Konten und Kreditkarten nicht überzieht oder sich bei Engpässen rechtzeitig mit der Bank in Verbindung setzt. Neben der finanziellen Situation können aber auch statistische Werte über die Zahl der Schuldner am eigenen Wohnort, Beruf und Einkommen miteinfließen, sagt Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale.

Schufa-Eintrag

Eine wichtige Rolle bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit spielt die Schufa. Verbraucher können sich hier auch eine Eigenauskunft beschaffen, sagt Verbraucherschützer Niels Nauhauser. Die "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" mit Sitz in Wiesbaden speichert Daten zur finanziellen Situation wie Girokonten, Kredite oder Insolvenzverfahren. Und manchmal finden sich in den Schufa-Daten auch falsche oder alte Einträge.

Die Schufa-Informationen haben bei jeder Bank ein anderes Gewicht, erklärt Kerstin Altendorf vom Bankenverband. Viele Banken nutzen sie nur als einen Faktor von vielen. Bei langjährigen Kunde spielten auch eigene Erfahrungswerte der Bank eine Rolle.

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