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Kreditverkäufe: Alter Familienbesitz löst sich in nichts auf

Wolfratshausen - Normale Kredite werden nicht verkauft, versprechen mittlerweile fast alle Banken. Doch schnell wird ein Kredit notleidend und alles, was eine Familie seit Generationen ernährt hat, kommt unter den Hammer. Eine Tragödie nimmt ihren Lauf.

Das Anwesen war, als er es erbte, fast verfallen, Michael Bader renovierte es. Es brannte später fast bis auf die Grundmauern ab. Michael Bader baute es wieder auf. Es gibt wenig, was der ehemalige Wirt der Fischerrosl in Sankt Heinrich am Starnberger See als Unternehmer nicht durchgestanden hat. Doch dem Unheil, das ihn jetzt wahrscheinlich um den uralten Familienbesitz bringen wird, steht der bodenständige Unternehmer wehrlos gegenüber. Es braute sich zusammen - in Form einer neuen globalisierten Finanzwelt, die längst auch die bayerische Provinz erreicht hat. Michael Baders Bank entmachtete ihren Kunden und verkaufte den Kredit samt Sicherheiten weiter.

Da treffen Welten aufeinander, die sich nicht verstehen. Der hemdsärmlige zupackende Unternehmertyp und Banker, die vor allem auf einen ausführlichen Businessplan und die Papierform wert legen. Das konnte nicht gut gehen. Für Bader löst sich nun ein stolzer Immobilienbesitz, der 2000 über acht Millionen Mark Wert war, morgen durch eine Zwangsversteigerung in nichts auf.

Dazu hat zweifellos auch Bader beigetragen. Fehlspekulationen und Fehlinvestitionen ließen einen zweiten Schuldenberg wachsen. Viel Geld hat er in Erfindungen gesteckt, die sich nicht vermarkten ließen. Die Patente hängen ungenutzt an einer Wand in seinem Privathaus. Doch immer noch hatte der stattliche Besitz ausgereicht, auch solche Lasten zu tragen.

Zum Schicksalsmonat wurde der September 2003: Aus Baders Haus mit 23 Appartements gegenüber der Traditionswirtschaft zogen an einem Tag 12 Mieter aus. Ein Laden und eine Bar in diesem Haus standen ebenfalls leer. Eine schnelle Neuvermietung war in der Wirtschaftskrise nicht möglich. Obwohl die Schulden weit unter dem Gebäudewert lagen, konnte Bader für fast zwei Jahre die Raten nur noch teilweise aufbringen. Der Kredit wurde, wie es in der Bankenbranche heißt, "notleidend".

Und er blieb es auch, als Mieten, Zins und Tilgung wieder flossen. "Es gelang mir, bis Mai 2005 die Einheiten wieder voll zu vermieten und die ausstehenden Zins- und Tilgungsraten von ca. 130 000 bis auf 8000 Euro zurückzuführen", berichtet Bader.

So rechnete er fest damit, dass der Kredit weiterlaufen könnte. Monatlich 18 500 Euro Mieteinnahmen bei 11 000 Euro Zins und Tilgung mussten reichen, kalkulierte er. Doch da irrte er sich: Die DZ-Bank in München kündigte alles. Drei Wochen später hatte der ehemalige Wirt im eigenen Haus nichts mehr zu bestellen. Ein Zwangsverwalter wurde eingesetzt. Zwei Monate später verkaufte die Bank die Forderung und Sicherheiten ausgerechnet an zwei ehemalige Mitarbeiter der eigenen Kreditabteilung. Damit hatte es der Wirt nun wieder mit den Akteuren zu tun, die ihm vorher in der Bank den Kredit gekündigt hatten. Michael Viehoff und Bernhard Bader (nicht verwandt mit Michael) waren nun Gesellschafter der Comindo AG, Geschäftszweck der Gesellschaft: "Übernahme und Verwertung von Forderungen und zu deren Absicherung bestellter Sicherheiten".

"Die wollen mich ruinieren", war der erste Gedanke von Michael Bader. Tatsächlich ist bisher nichts geschehen, was Bader eines Besseren belehrt hätte.

Zwangsverwalter Hans K. sollte die Einnahmensituation verbessern. Doch er erreichte das Gegenteil. Die Mieteinnahmen schrumpften. Für ein Gebäude nahm Bader, als er noch das Sagen hatte, zuletzt 10 833 Euro im Monat ein. Zwei Jahre später war es nicht einmal mehr die Hälfte: 4817 Euro.

Die Gläubiger sehen in Bader den Schuldigen für den Rückgang. Er habe die Wohnungen nicht renoviert. Bader widerspricht. Dass beim Auszug eines Mieters häufig Renovierungsbedarf bestehe, sei normal. Der Zwangsverwalter hat Renovierungsarbeiten veranlasst. Diese ließen den Schuldenberg weiter anwachsen. Auf dessen Entwicklung konnte Bader nun keinen Einfluss mehr nehmen. Doch er muss dafür geradestehen.

Ende 2007 kam das Aus. Comindo kaufte weitere Forderungen auf, mit denen Michael Bader bei der Raiffeisenbank Seeshaupt in der Kreide stand. Sie setzte vor Gericht die Fälligkeit von 200 000 Euro durch - und zwang Bader in die Insolvenz.

Damit ist der ehemalige Wirt wirtschaftlich gelähmt. Noch hofft er auf den Rechtsweg. Doch genau diesen haben Politik und Justiz seit 2004 verstellt. Systematisch haben oberste Gerichte und Bundestag in den letzten Jahren Hürden für Kreditverkäufe und die Verwertung der Sicherheiten beiseitegeräumt, um den Banken die gleichen Möglichkeiten zu geben wie der US-Konkurrenz - genau solche, deren Einsatz zur weltweiten Finanzmarktkrise führte. Michael Bader ist auch Opfer unbedachter Gesetzgebung.

Die Folgen trägt in solchen Fällen meist der Steuerzahler. Denn am Ende des Handels mit notleidenden Krediten steht oft der völlige Ruin des Bankkunden. Morgen kommt der Familienbesitz von Michael Bader unter den Hammer. Als Verkehrswert wurden nur 2,33 Millionen Euro festgesetzt, zu wenig, um alle Schulden abzutragen: 1,45 Millionen will allein die Comindo AG, wozu unter anderem auch die Honorare des Zwangsverwalters gehören. Über eine Million fordert die Raiffeisenbank Seeshaupt.

Immerhin haben die Gläubiger gegenüber unserer Zeitung zugesichert, dass sie die Immobilien keinesfalls zum Schleuderpreis verramschen würden. Allenfalls auf 90 Prozent des Verkehrswerts würden sie sich einlassen. "Es gibt keine Notwendigkeit, das Objekt zu verschenken", sagt Michael Viehoff. Michael Bader wird davon nichts haben. Der einst vermögende Wirt vom Starnberger See hat angesichts der Rechtslage keine Illusionen: "Ich soll zum Sozialfall gemacht werden", sagt er. Sich kampflos diesem Schicksal ergeben will er nicht. Er setzt auf seine Immobilienfirma, bisher nur ein Nebenerwerb, aber von der Insolvenz - wie Michael Bader betont - nicht betroffen.

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