Kreutzkamm: Nur drei Mitarbeiter kennen das Geheimrezept

- München - Einfach nur ein Stück Apfelkuchen genießen, das kann Friederike Kreutzkamm, Inhaberin und Geschäftsführerin der Konditorei Kreutzkamm GmbH, nicht. Immer bleibt sie der in der eigenen Backstube produzierten Köstlichkeit gegenüber kritisch, um das Perfekte vielleicht noch besser zu machen. "Der Mürbeteig ist einen Tick zu braun gebacken", stellt Friederike Kreutzkamm in diesem Fall fest. Schließlich trainiert sie ihre Sinnesorgane schon seit über 40 Jahren. "Das kann man nicht einfach abstellen", erklärt sie.

1825 in Dresden gegründet, hatte die Konditorei 1954 mit dem Kauf des angesehenen ehemaligen Cafés Eyhrich in der Maffeistraße 4 ein neues Stammhaus in München gefunden. "Der Krieg hatte in Dresden alles zerstört, mein Mann fing hier nach dem Zweiten Weltkrieg in München praktisch wieder von vorne an." Und tatsächlich gelang es Fritz Kreutzkamm, in vierter Generation in der bayerischen Landeshauptstadt allmählich wieder aufzubauen, was ein Bombenhagel am Dresdner Altmarkt vernichtet hatte.

1960 heiratete er die 30 Jahre jüngere Friederike Loewe und als er 1981 starb, stand die Witwe, die sich hauptsächlich um die Erziehung der beiden Töchter Henriette und Elisabeth gekümmert hatte, vor einer großen Entscheidung: Sollte sie die Firma verkaufen oder mit 49 Jahren selbst weiterführen? "Viele Interessenten standen bereit", sagt sie. Aber sie habe so viel Zuspruch und Unterstützung langjähriger Mitarbeiter erfahren, dass sie beschloss, selbst das Ruder zu übernehmen.

Und das sehr erfolgreich. Im gleichen Jahr, als ihr Mann starb, übernahm Kreutzkamm in der Maxburg ein früheres Feinkostgeschäft. Bald wurde es zu klein ­ im Jahr 2000 zog man im selben Objekt um. Heute befindet sich neben dem Ladengeschäft auch noch ein Café.

Seit den 60er-Jahren werden die 800 verschiedenen Köstlichkeiten am Produktionsstandort in der Kastenbauerstraße im Münchner Osten produziert. Von Petit Fours, Lebkuchen, Tee- und Käsegebäck bis hin zu Baumkuchen, Baumkuchenspitzen und Stollen. Hinzu kommen Pralinen, Marzipan, Diabetikerwaren sowie Osterbrote und Präsentpakete. Im Schnitt beschäftigt Kreutzkamm 65 Mitarbeiter im Jahr. 360 000 Eier, 15 Tonnen Rosinen und 25 Tonnen Butter werden jährlich verarbeitet. Allein in der Vorweihnachtszeit stellen viele Mitarbeiter den legendären Kreutzkamm-Christstollen her, wie zu Großmutters Zeiten in Handarbeit.

Baumkuchen hingegen wird das ganze Jahr über produziert. Auch für diese Spezialität ist das Familienunternehmen in vielen Ländern bekannt. So ist es nicht verwunderlich, dass sogar japanische Reiseführer das Café in der Maffeistraße als besondere kulinarische Attraktion empfehlen. Gibt es für das gute Gelingen denn ein Geheimrezept? Sie lacht. "Die Rezeptur ist nur drei Mitarbeitern bekannt."

Bei allem Erfolg hat Friederike Kreutzkamm nie vergessen, woher die Tradition eigentlich kam. Sofort nach der Wiedervereinigung besuchte sie die Heimatstadt ihres Mannes. Das einstige Stammhaus am Altmarkt in Dresden war nun ein Parkplatz und daher als Standort kurzfristig nicht nutzbar. Nach einigen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung eröffnete sie 1991 in dessen unmittelbarer Nähe ein Konditorei-Café. Die 39-jährige Tochter Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, die nun das Familienunternehmen in fünfter Generation verkörpert, leitet dieses Café sowie das "Dresdner Backhaus".

1993 hatte die Familie Kreutzkamm Teile des ehemaligen Backwarenkombinats erworben, inzwischen ist es ein moderner Backbetrieb mit rund 50 Mitarbeitern. "Elisabeth wollte damals nach ihrem Studium in Amerika eigentlich noch den MBA machen", sagt Friederike Kreutzkamm. Sie habe sich lediglich bereit erklärt, "für sechs Monate" das weitere Studium zu verschieben. Daraus sind jetzt schon 14 Jahre im Freistaat Sachsen geworden.

Gefragt, ob sie daran denke, kürzerzutreten, antwortet Friederike Kreutzkamm nur: "Ja, schon." Aber auch wenn es einmal so weit sein sollte, wird das Familienunternehmen sicher fortgeführt: Tochter Elisabeth hat mittlerweile vier Kinder, die sechste Generation steht also schon in den Startlöchern.

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