Das Kreuz mit der Bahnauskunft: Computer nervt, Telefon kostet

- München - Die mittlerweile privatwirtschaftlich organisierte Deutsche Bahn nennt ihre Fahrgäste Kunden. Doch wenn es um die simple Auskunft - Wie komme ich von A nach B? - geht, lässt sie ihre Kundschaft oft in der Warteschleife hängen. Die Zugverbindung herauszubekommen, kann umständlich, mit Kosten verbunden und zuweilen nervenaufreibend sein. Ein Test für einen Wochenendausflug von München nach Lindau ergab folgende Ergebnisse.

Sprachcomputer

Dies war die langwierigste Variante - 13 Minuten dauerte es, bis die gewünschte Zugverbindung erfragt war. Unter der kostenlosen Nummer 0800/1 50 70 90 ertönt eine nicht unfreundliche Frauenstimme. Der Kunde muss meist nur mit "Ja", "Nein", "Wiederholen", "Früher" oder "Später" antworten. Die ständigen Wiederholungen - "Sie möchten also am 9. Juli um 13 Uhr abfahren." - nerven mit der Zeit. Weh dem, der sich räuspert oder ein Wort nicht deutlich ausspricht. Die virtuelle Bahndame versteht es nicht. Was der Satz "Der gewünschte Start- oder Zielbahnhof wurde durch einen äquivalenten Bahnhof ersetzt" bedeutet, verrät die Computerstimme nicht. Nach jeder Ansage einer Zugverbindung die monotone Aufforderung: "Sie haben jetzt die Auswahl: Ansage wiederholen, frühere Verbindung, spätere Verbindung, über eine Rückfahrt informieren, Verbindung ändern und Kauf." Wer Letzteres wünscht, wird auf die kostenpflichtige 11 8 61-Nummer verwiesen. Der Sprachcomputer ist eine reine Fahrplanauskunft, Fahrpreise nennt er nicht.

Telefonauskunft

Auch Fahrkartenkauf und Reservierung sind über die deutschlandweite Nummer 11 8 61 möglich. Der Anruf kostet zunächst drei Cent je Sekunde, bis man zum Reiseservice vermittelt wird. Ab dann sind 39 Cent je Minute fällig. Beim ersten Versuch ("Guten Tag, was wünschen Sie?") wurde nach dem genannten Wunsch Werbung für das Sprach-Dialog-System, wie die Bahn ihren Sprachcomputer nennt, vom Band abgespult. Das passiert nach Auskunft der Deutschen Bahn nur, wenn man in der Warteschleife hängt; der Gebührenzähler läuft trotzdem. Nach dem zweiten Versuch war nach der Begrüßung erst einmal Sendepause. Der dritte Versuch bei der Telefonauskunft der Bahn ging zügig über die Bühne: Zugverbindungen und Preise (Sparpreis nur für Eurocity inklusive Reservierung 36,70 Euro, Normalpreis für Regionalverkehr 61,50 Euro) waren in vier Minuten erfragt. Auch die Buchung ist hier möglich. "Die reine Fahrplanauskunft oder Preisabfrage dauert im Schnitt zweieinhalb Minuten", sagt Achim Stauß, Sprecher Personenverkehr. Wird die Fahrkarte gebucht, seien es durchschnittlich sechs Minuten. Das macht demnach etwa einen Euro für die Auskunft und 2,30 Euro mit Fahrkartenkauf. Die vierminütige Testabfrage kostete ohne die zwei Fehlversuche mindestens 1,56 Euro.

Internet

Etwas länger als die "personenbediente" Bahnauskunft dauerte die Suche im Internet unter www.bahn.de. Nach neun Minuten standen Verbindung und Preis (45,20 Euro) fest. Vorteil: Man kann die Verbindung und nach Anmeldung auch die Fahrkarte zu Hause ausdrucken. Bezahlt wird per Kreditkarte oder Lastschrift. Ein zweiter Versuch brachte die Auskünfte schon in fünf Minuten hervor. Außer Normaltarif, Bahncard 50 und 25 sowie Kinder und Sparangebot konnten keine Extras (etwa Begleitperson für behindertes Kind) am PC ermittelt werden. "Ob man die günstigste Verbindung bekommt, ist fraglich", sagt Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern. Die im Internet angebotenen Sparpreise "Surf & Rail" sind nicht am Bahnhof erhältlich.

Schalter

Wer Zeit und Muße und einen Bahnhof mit Schalter in seiner Nähe hat, kann dort die Fahrkarte kaufen. Aug’ in Aug’ mit dem Bahnmitarbeiter kann sich hartnäckiges Nachfragen nach günstigen Tarifen, Angeboten oder anderen Routen lohnen. "Wir geben den Tipp, immer zu fragen, ob es eine preisgünstige Variante gibt", sagt Michael Koswig, Bahnexperte der Stiftung Warentest. In der Regel würden die Bahnkunden auf die schnellste, aber nicht auf die günstigste Verbindung hingewiesen. Wer in Erfahrung bringen will, ob ein Bayern-Ticket günstiger ist als die reguläre Fahrkarte, kommt nicht umhin, mit einem Bahn-Mitarbeiter zu sprechen, ob am Telefon oder am Schalter.

Anregungen, Wünsche und Kritik können Bahnfahrer beim "Kundendialog Personenverkehr" unter der Nummer 0 18 05/19 41 95 loswerden - für 12 Cent in der Minute.

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