Kreuzfahrer "Festival Cruises" ist pleite

- Rom - "European Vision" heißt eines der luxuriösen Schiffe, mit dem das Kreuzfahrtunternehmen "Festival Cruises" die Meere befuhr. Es war eine europäische Vision, mit der der Konzern des italienisch-griechischen Reeders Giorgio Poulides vor zehn Jahren seine Fahrten aufnahm: Die Gruppe mit Sitz in Genua war das erste zu 100 Prozent von Europäern gegründete Unternehmen auf einem von den USA beherrschten Markt.

<P>Jetzt sind auch die letzten Rettungsversuche gescheitert: "Festival" ist pleite. Schon im Januar bahnte sich die Katastrophe an: Preisverfall und Überkapazitäten hatten die Gruppe derart in die Krise stürzen lassen, dass der Schiffseigentümer - der französische Konzern Alstom - drei Schiffe der Flotte beschlagnahmen ließ. "Festival" hatte laut Alstom Außenstände von über 175 Millionen Euro. 2000 Reisende mussten vorzeitig zurückgeflogen werden, Kundenabwanderung und erhebliche Umsatzeinbußen folgten.<BR><BR>Bis vor wenigen Tagen gab es in Genua noch einen winzigen Hoffnungsschimmer: Der weltweit zweitgrößte Konzerns des Sektors, "Royal Caribbean", hatte Interesse am Kauf von "Festival" bekundet. Dann jedoch kam eine Absage aus Miami.<BR><BR>Als der Präsident der Gesellschaft, Umberto Ferraro, jetzt beim Gericht Konkurs anmeldete, beliefen sich die "Festival"-Schulden Berichten zufolge auf 320 Millionen Euro. Davon steht der Konzern allein den Banken gegenüber mit 220 Millionen Euro in der Kreide, 100 Millionen Euro werden Angestellten, Zulieferfirmen und Kunden geschuldet. "Wir haben es hier mit einem echten Drama zu tun", sagte Paolo Odone, Präsident der Handelskammer in Genua. Der Untergang des Konzerns schädigt auch schwer das Ansehen der ligurischen Hafenmetropole, die derzeit als "Kulturhauptstadt Europas" ihr Image aufzupolieren versucht. <BR><BR>Und schon Europas führende Kreuzfahrtreederei "Costa Crociere" - eine Tochter des Branchenriesen Carnival - verlegte kürzlich den Ausgangshafen für ihre zehn Ozeanriesen von Genua ins benachbarte Savona.<BR><BR>Dabei hatte die Stadt erst vor fünf Monaten ihre Führungsposition auf dem italienischen Kreuzfahrtmarkt gefeiert: 700 000 Passagiere waren 2003 in Genua an Bord gegangen. In diesem Jahr rechnen Experten kaum noch mit der Hälfte. "Festival" beschäftigte allein in der Region Ligurien 3000 Menschen und arbeitete mit über 200 Betrieben zusammen. "Wir wissen jetzt schon mit Sicherheit, dass mindestens 15 Zulieferfirmen ebenfalls Konkurs anmelden werden", sagte Giovanni Pozzo, Sprecher des Koordinierungsausschusses dieser Firmen. <BR><BR>Unterdessen kommen die von Alstom gebauten "Festival"-Schiffe unter den Hammer. Die "European Vision" wurde bereits von der privaten Mediterranean Shipping Company aufgekauft.<BR><BR></P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Berlin - Anlässlich des Beginns der Agrarmesse "Grüne Woche" haben Tausende in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt!" für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft …
18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Berlin - Nun wird allmählich offiziell, was sich schon länger andeutete: Mit dem neuen Hauptstadtflughafen wird es auch 2017 nichts.
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Düsseldorf - Über 1800 Aussteller aus 70 Ländern präsentieren in Düsseldorf auf der weltgrößten Wassersportmesse „Boot“ wieder ihre Produkte vom Surfbrett bis zur …
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet
Frankfurt/Main - Nach dem Wahlsieg von Donald Trump sind die Aktienkurse in die Höhe geschossen. Doch nun kommen bei Anlegern die Sorgen zurück. Denn niemand weiß genau, …
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet

Kommentare