Krimi um Reiseriese Tui: Michael Frenzel kämpft

- Hamburg - Europas größter Reisekonzern Tui will gegen eine drohende Übernahme oder gar Zerschlagung des Unternehmens kämpfen. Er nehme "die Sache ernst, sehr ernst sogar", sagte Konzernchef Michael Frenzel wenige Tage nachdem die US-Investmentbank Morgan Stanley überraschend im großen Umfang Tui-Aktien aufgekauft hatte. "Ich werde sicher nicht tatenlos zusehen, wie Aufkäufer bei der Tui einsteigen und das Unternehmen dann zerschlagen", betonte Frenzel im "Spiegel".

<P>Welche konkreten Gegenmaßnahmen er plant, wollte er nicht sagen. Er hob aber hervor, lange genug im Geschäft zu sein, "um zu wissen, was jetzt zu tun ist". Morgan Stanley habe Tui nicht über die Motive zum Kauf der Aktien aufgeklärt. Allerdings gebe es "gewisse Vermutungen", die sich nun aufdrängten, sagte Frenzel. Die Aktie von Tui habe seit dem Frühjahr ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. "Hier läuft im Hintergrund offenbar ein Spiel, das nur ein Ziel hat: den Kurs unseres Papiers nach unten zu treiben."</P><P>Er sei kein Staatsanwalt, der Beweise zusammentrage. "Aber die Indizien sind schon ziemlich eindeutig", erklärte der Konzernchef. Seit bekannt sei, dass Tui möglicherweise aus dem Kreis der 30 im Deutschen Aktienindex zusammengefassten Unternehmen fallen könnte, würden so genannte "Hedge Fonds in Scharen auf einen weiteren Verfall unseres Kurses" wetten.</P><P>Auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unter Berufung auf eigene Quellen, die Tui-Teilübernahme gehe auf das Konto von Hedge Fonds. Diese Investmentfonds würden allerdings ihr Geschäft selbst kaputtmachen, wenn sie ihre nächsten Schritte vorher ankündigten. "Ihr Geschäft besteht darin, auf bestimmte Marktentwicklungen zu wetten. Wer weiß, welcher Hedge Fonds welche Wette verfolgt, könnte dagegenhalten. Deswegen verdonnern Hedge Fonds ihre Auftragnehmer _ hier also Morgan Stanley _ zu größter Verschwiegenheit", schrieb die Zeitung.</P><P>Frenzel erinnerte unterdessen auch daran, dass die WestLB sich von ihrem 31-Prozent-Anteil an Tui trennen will. Zugleich sagte er im Zusammenhang mit dem bis Herbst geplanten Börsengang der Logistik-Tochter Hapag Lloyd, nach Tui-Informationen seien Finanzinvestoren vor allem an Hapag Lloyd interessiert. "Sollte die Spekulation gegen unsere Aktie aufgehen und der Kurs weiter künstlich nach unten getrieben werden, bekäme ein potenzieller Aufkäufer das gesamte Touristikgeschäft zusätzlich zur Containerschifffahrt quasi zum Nulltarif dazu."</P><P>Der Tui-Chef wurde auch zu Gerüchten befragt, wonach das Unternehmen selbst ein Interesse daran haben könnte, Übernahmespekulationen anzuheizen. "Es gehört schon viel Fantasie dazu, uns eine derartige Über-Bande-Taktik zu unterstellen."</P><P>Schon vor einem Jahr gab es Gerüchte über Interessenten am Tui-Konzern. Dazu sagte Frenzel, damals habe es lediglich die Gerüchte gegeben. "Diesmal ist klar, dass Morgan Stanley mindestens zehn Prozent unserer Anteile erworben hat. Eine Erklärung zu diesem Vorgang wird mir verweigert", sagte der Tui-Chef.</P>

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