Krimi um Yukos: Experten vermuten Kreml hinter unbekannten Bietern

- Moskau - Der inhaftierte frühere Jukos-Chef Michail Chodorkowski hat den russischen Behörden vorgeworfen, die Zwangsversteigerung der Kernproduktion des Ölkonzerns im Stile der in den 90er-Jahren üblichen halsabschneiderischen Methoden vorgenommen zu haben. Damit waren damals er selbst und andere Oligarchen reich geworden.

"Die Behörden haben sich selbst ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk gemacht", kommentierte Chodorkowski laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax vom Montag die Zwangsversteigerung, bei der am Sonntag die völlig unbekannte Firma Baikal-Finans-Group den Zuschlag erhielt.<BR><BR>Der gebotene Preis von knapp sieben Milliarden Euro stellt nach Einschätzung von Experten nur einen Bruchteil des tatsächlichen Werts von Juganskneftegas dar. An der Auktion nahm nur ein weiterer Bieter, ein Unternehmen des Energiekonzerns Gasprom, teil. Dessen Vertreter gab aber überhaupt kein Gebot ab.<BR>Die Jukos-Aktie gab am Montag bis Mittag 10 Prozent nach. Unter den Händlern kursierten Gerüchte, dass hinter der in Twer registrierten Firma Baikal-Finans-Group eben doch Gasprom - und letztlich der Kreml - stecke.<BR><BR>Ein Sprecher der Justizbehörden in Moskau, Alexander Buksman, wies nach der Auktion darauf hin, dass Juganskneftegas an den Staat fallen könnte, falls die Baikal-Finans-Group nicht innerhalb von zwei Wochen den Kaufpreis überweise. Versuche, die Firma in der westrussischen Stadt Twer ausfindig zu machen, führten zunächst zu keinem Ergebnis. Die russische Telefonauskunft teilte auf Anfrage mit, sie finde unter der angegebenen Adresse nur eine Firma: Twerneftemasch, ein Hersteller von Ölförderungs- und Pipeline-Ausrüstung. Deren Chef wurde von einer regionalen Online-Zeitung am Sonntag mit der Auskunft zitiert, seine Firma sei kürzlich von einer Firma mit Gaspor im Namen aufgekauft worden. Ob diese Firma mit Gasprom verbunden ist, war zunächst nicht nachweisbar.<BR><BR>Jukos-Sprecher Alexander Schadrin bezeichnete die Zwangsversteigerung als "illegal nach russischem und internationalem Recht". Anwälte der Menatep-Gruppe, die 60 Prozent der Jukos-Anteile besitzt, kündigten Klage gegen die Auktionsteilnehmer und Russland an. Öl-Analyst, Chris Waefer sagte, die Zwangsversteigerung sei nur ein Zwischenschritt. Letztlich werde Juganskneftegas zu Gasprom kommen.<BR><BR>Der Russland-Experte Alexander Rahr bezeichnete den Vorgang als "Teil einer Flurbereinigung der gesamten russischen Wirtschaft". Der russische Präsident Wladimir Putin versuche jetzt, den heimischen Energiemarkt unter staatliche Kontrolle zu bringen, sagte der Experte der Gesellschaft für auswärtige Politik am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Wer genau hinter der Firma Baikal-Finans-Group stehe, die am Sonntag überraschend den Zuschlag bekommen hatte, sei noch nicht klar, jedoch sei anzunehmen, "dass dahinter der Kreml steckt," sagte Rahr.<BR><BR>Die Bundesregierung wollte die Versteigerung vorerst nicht bewerten. <BR><BR>

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