Kriminell gute Quoten: Lotto-Chef fordert mehr Einsatz vom Staat

- Sollte Erwin Horak mal den Jackpot knacken, kommt er wohl in Erklärungsnot: Trotzdem tippt der Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung regelmäßig selbst mit. Der Herr über neun Spielbanken und eine Lotto-Maschinerie mit Milliarden-Umsatz spricht im Interview über Glück, Geld und den Grat zwischen Spaß und Spielsucht.

<P>Jeder Gast in der Spielbank verliert im Schnitt 100 Euro. Glückspiel lohnt sich doch nicht, oder?<BR>Horak: Glück ist große Unterhaltung. Unsere Gäste haben eine feste Vorstellung von ihrem Budget. Wenn Sie ins Konzert gehen oder zum Fußball, kostet das auch Geld. Nur bei uns gibt es viele, die mit großen Gewinnen heimgehen.</P><P>Zum Beispiel der Finanzminister. Freut sich Kurt Faltlhauser heuer wieder über 550 Millionen von der Lotterieverwaltung?<BR>Horak: Wir liegen heuer bei Lotto 2 % unter dem Vorjahr, die Spielbanken um 5 %, Oddset 18 %. Der Trend wendet sich jetzt, aber wir werden wohl etwa 25 Millionen Euro weniger abliefern. Es ist nicht so, dass es uns in schlechten Zeiten besonders gut ginge.</P><P>Als einziges Bundesland leistet sich Bayern staatliche Croupiers. Warum?<BR>Horak: Das hat Vorteile. Es ist eine Staatsaufgabe, den Spieltrieb der Menschen zu kanalisieren. Als Staatsbetrieb haben wir Verantwortung für unsere Besucher. Wenn wir problematisches Spielverhalten bemerken, sperren wir sofort. Wir sind nicht auf Gewinnmaximierung aus.</P><P>Aber Lotto könnte doch privat geführt werden.<BR>Horak: An Lotto hängen über 20 000 Arbeitsplätze. Manche Annahmestellen, unsere wichtigsten Vertriebspartner, könnten ohne Lotto nicht überleben. Wenn wir den letzten Cent verdienen wollten, müssten wir manche schwache Stelle zusperren.</P><P>Welche Spielbank läuft zurzeit am besten?<BR>Horak: Garmisch wird immer beliebter und streitet mit Feuchtwangen um Platz 1. Mit über 30 Mio. Bruttospielertrag war Feuchtwangen 2002 Spitzenreiter. Bad Wiessee ist nur noch dritter. Das ändert sich, wenn der Neubau fertig ist. Wir brauchen mehr Platz für Automaten. Dieses Geschäft ist rapide gewachsen.</P><P>Das Aus fürs alte Roulette?<BR>Horak: Nie. In Amerika geht der Trend wieder zum "großen Spiel". Daran glaube ich.</P><P>In Euro klingen große Lotto-Jackpots weniger spektakulär. Schadet das?<BR>Horak: Das ist ein Problem. Ein Jackpot von fünf Millionen Euro wird kaum mehr wahrgenommen. Früher waren das zehn Millionen Mark, und die haben den Umsatz gewaltig gesteigert. Jetzt mussten wir die Gewinnklassen so verändern, dass die Jackpots größer sind.</P><P>Wie sehr spüren Sie die Konkurrenz privater Lotto-Firmen und Vermittler?<BR>Horak: Die kosten uns wirklich Geld, in Bayern etwa 50 Millionen Umsatz. Da tummeln sich viele Kriminelle, die abkassieren wollen. Wir würden nie bei den Menschen zuhause anrufen. Wir verkaufen Lotto nicht am Telefon.</P><P>Bayern hat Sportwetten mit festen Quoten salonfähig gemacht, aber die Oddset-Umsätze stagnieren. Was stimmt da nicht?<BR>Horak: Auch hier gibt es Ärger mit illegalen Wettbüros und mit Unternehmen, die Lizenzen aus der früheren DDR haben und jetzt bundesweit operieren.</P><P>Die bieten oft bessere Quoten.<BR>Horak: Bei den Quoten schauen wir da nicht immer gut aus, weil wir ordentlich unsere Steuern zahlen und Zweckabgaben abführen. Die Innenbehörden müssen endlich in einer konzertierten Aktion gegen dubiose Anbieter durchgreifen.</P><P>Der Umsatzeinbruch schädigt auch den Deutschen Fußball-Bund massiv.<BR>Horak: Ja. Es gibt eine klare Abmachung der Ministerpräsidenten. Die WM 2006 ist für Deutschland enorm imagefördernd. Die Länder führen deshalb vier Jahre lang 12 % vom Mehr-Umsatz bei Oddset an den DFB ab.</P><P>Da dürfte derzeit wenig übrig bleiben?<BR>Horak: Heuer fließt da nichts. Vergangenes Jahr waren es dreieinhalb Millionen.</P><P>Die erhofften Einnahmen waren für gemeinnützige Projekte, Jugendfußball und Kultur gedacht.<BR>Horak: Das Geld ist zum Teil sogar schon ausgegeben, vorfinanziert vom DFB. Noch ärgerlicher ist, dass seit Beginn dieser Saison einige Bundesliga-Vereine auch noch mit genau den Unternehmen zusammenarbeiten, die uns das Geschäft schwer machen. Teile der Bundesliga gefährden damit die nationale Aufgabe WM 2006. Das ist unverständlich. Da muss sich der DFB etwas einfallen lassen.</P><P>Das Gespräch führte Christian Deutschländer</P>

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