Die Krimis der Wirtschaftswelt - Angriff auf Continental

Feindliche Übernahmen sind die Krimis der Wirtschaftswelt. Mächtige Strippenzieher legen plötzlich die Karten auf den Tisch und umwerben die Aktionäre des Übernahmekandidaten. Richtig spannend wird es, wenn sich das Objekt der Begierde mit Händen, Füßen und markigen Worten wehrt - wie Continental dies jetzt tut.

Geglückt ist eine feindliche Übernahme, wenn sich ein Unternehmen die Kontrolle gegen den Willen von Aufsichtsrat, Management und Arbeitnehmern verschafft hat. Bei einer Aktiengesellschaft geht dies über den Erwerb der Aktienmehrheit. Der Angreifer wendet sich direkt an die Aktionäre des Wunschkandidaten, manchmal begleitet von Anzeigenkampagnen, wie bei der bisher spektakulärsten feindlichen Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000. Jetzt hat es das fränkische Familienunternehmen Schaeffler auf Continental abgesehen. Es bietet den Conti-Aktionären mindestens 69,37 Euro je Stückaktie. Conti-Chef Manfred Wennemer lässt keinen Zweifel daran, dass er das Schaeffler-Werben als Versuch einer feindlichen Übernahme wertet: Die "opportunistische Offerte" spiegele den wahren Conti-Wert nicht annährend wider.

Die Manager des Übernahmekandidaten stemmen sich auch deshalb gegen feindliche Übernahmen, weil sie danach in aller Regel nicht mehr erwünscht sind. Als Abwehrstrategie können sie verschiedene Maßnahmen ergreifen, die darauf abzielen, das eigene Unternehmen für den Interessenten weniger attraktiv zu machen. Dies geht etwa über die Einführung von Stimmrechtsbeschränkungen oder einen Aktientausch mit einem befreundeten Unternehmen.

Darüber hinaus kann das Management Entscheidungen treffen, die den Angreifer nach einer Übernahme teuer zu stehen kämen - etwa die Aufnahme von Krediten oder den eiligen Zukauf eines Unternehmens, mit dem der Angreifer nichts anfangen kann. Sehnlichst erwartet wird häufig die Hilfe eines sogenannten weißen Ritters, der die feindliche Übernahme mit einem eigenen Angebot verhindern könnte. Eine solche Lösung ist aber unwahrscheinlich, wenn der Angreifer - wie im Fall Schaeffler - schon Optionen auf einen großen Anteil am Unternehmen hat. Ansonsten bleibt noch die Hoffnung auf explodierende Kurse. Mancher Angreifer musste schon klein beigeben, weil sich der Wunschkandidat nach Bekanntwerden der Pläne drastisch verteuerte. Um bei der Wertsteigerung nachzuhelfen, betonen Übernahmekandidaten gerne, der "tatsächliche Wert" ihrer Aktien liege deutlich über dem Angebot.

Feindliche Übernahmen waren in Deutschland eher selten und lange verpönt. Von 1990 bis 1993 versuchte der italienischen Reifenhersteller Pirelli, die Continental AG zu übernehmen. Dies wäre einer der ersten Fälle gewesen, in dem ein großes deutsches Unternehmen von einem ausländischen Mitbewerber übernommen worden wäre. Doch Continental verhinderte die feindliche Übernahme. Eine Abwehrfront unter Federführung der Deutschen Bank erwarb eine Sperrminorität, bis Pirelli nach langem Kampf die Liquidität ausging.

Über die US-Wirtschaft rollte schon in den 80er-Jahren eine wahre Lawine feindlicher Übernahmen hinweg. Dabei wurden viele der geschluckten Unternehmen mit viel Gewinn für den Käufer zerlegt und ausgeschlachtet. Zehntausende Menschen verloren ihre Jobs.

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