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„Hausaufgaben erledigt“: Siemens-Chef Peter Löscher blickt der Weltrezession mutig entgegen.

Siemens

Wie die Krise zur Chance werden soll

München – Trotz Konjunkturkrise rechnet Siemens mit Milliardengewinnen im kommenden Jahr. Vorstandschef Löscher sieht den radikalen Umbau des Konzerns als abgeschlossen an und hält das Unternehmen für „wetterfest“.

Weil das Siemens-Geschäftsjahr schon am 30. September endet, zieht der Münchner Konzern als einer der ersten in Deutschland die Bilanz eines Jahres. Und die fällt heuer erstaunlich positiv aus. Von Finanzkrise oder Rezessionsangst ist beim Industrieriesen wenig zu spüren.

Zwar hat Siemens im letzten Quartal des Geschäftsjahres einen Verlust von gut 2,4 Milliarden Euro erlitten, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Doch das in erster Linie deshalb, weil man praktisch alle außergewöhnlichen Belastungen, die sich auch nur andeuten, in diesen Drei-Monats-Abschnitt gepackt hatte: Drei Milliarden Euro Kosten für den radikalen Umbau des Konzerns inklusive Streichung tausender Stellen in Verwaltung und Vertrieb sowie eine Rückstellung von einer Milliarde für die erwarteten Strafen deutscher und amerikanischer Behörden wegen der Korruptionsaffäre. Das eigentliche Geschäft blieb im vierten Quartal weitgehend stabil. Und auch im Oktober sei der Auftragseingang – der sich abzeichnenden Konjunk-turkrise zum Trotz – gut gewesen, berichtete Konzernchef Peter Löscher.

Für das gesamte Jahr hat Siemens einen deutlich höheren Gewinn ausgewiesen als zwölf Monate zuvor. Das Plus lag mit 5,9 Milliarden Euro fast um die Hälfte höher als 2007. Doch auch dieser Wert trügt auf den ersten Blick. Denn zu diesem Ergebnis hat im Wesentlichen der Verkauf der Automobilzuliefer-Tochter VDO an Continental beigetragen, der 5,5 Milliarden Euro einbrachte.

„Wir haben den schnellsten Konzernumbau in der Geschichte von Siemens erfolgreich durchgeführt“, stellte Löscher fest. „Die Transformation von Siemens ist abgeschlossen.“ Neben dem VDO-Verkauf hat der Konzern sein Geschäft mit Telefonanlagen (SEN) einem Investor überreicht, die Festnetztelefone (SHC) abgegeben und die mit dem japanischen Fujitsu-Konzern betriebenen PC-Aktivitäten (FSC) dem Partner überlassen. Nun seien 97 Prozent des Geschäfts auf die drei Säulen Industrie, Energie sowie Gesundheit und damit auf „die langfristigen Entwicklungen in der Welt“ ausgerichtet. Deshalb lässt sich der Konzernchef von der erwarteten weltweiten Rezession nicht schrecken.

„Der Abschwung ist in der Realwirtschaft angekommen und wird sich auch bei uns niederschlagen“, räumte Löscher ein. Deshalb rechne man 2009 mit abflachenden Wachstumsraten bei Auftragseingang und Umsatz. Noch verfüge man aber über einen Auftragsbestand von mehr als 85 Milliarden Euro – mehr als der gesamte Umsatz des abgelaufenen Geschäftsjahres, der bei gut 77 Milliarden lag. Deshalb habe man „derzeit keinen Grund von der Prognose abzuweichen“. Die sieht für 2009 nicht weniger vor als einen operativen Rekordgewinn von 8 bis 8,5 Milliarden Euro. Der Umsatz soll doppelt so stark wachsen wie die – wenn auch schwächelnde – Weltwirtschaft.

Siemens sei „sehr viel besser aufgestellt als in den weltwirtschaftlich schwachen Jahren 1993 und 2001“, sagte Löscher. „Wir sehen in der Krise eine klare Chance für uns.“ Siemens habe seine Hausaufgaben erledigt und sich früher auf die konjunkturellen Herausforderungen eingestellt „als jeder andere“. Man wolle nun Marktanteile gewinnen. Die Trennung von weiteren Konzernteilen sei kein Thema – das gelte auch für die derzeitigen Problembereiche wie das Bahngeschäft („Mobility“) oder den Lichtkonzern Osram, dessen Gewinn eingebrochen ist. Auch zu den größeren neben dem Kerngeschäft verbliebenenen Aktivitäten, darunter Bosch Siemens Hausgeräte und Nokia Siemens Networks, bekannte sich Löscher. Man stehe zu diesen Töchtern.

Selbst die Korruptionsaffäre, die den Konzern seit zwei Jahren beschäftigt und deren Aufarbeitung schon Milliarden gekostet hat, nähert sich ihrer Bewältigung. Man sei bei den Verhandlungen mit den Behörden – dabei geht es insbesondere um die US-Börsenaufsicht SEC – über einen Vergleich wegen vergangener Verstöße „auf der Zielgeraden“. So sollen die Aktionäre von Siemens unverändert eine Dividende von 1,60 Euro erhalten. Angesichts des zusammengeschmolzenen Aktienkurses entspricht das derzeit immerhin einer Dividendenrendite von rund vier Prozent.

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