Krise erreicht die Messe: Geld geht aus

- München - Die Münchner Messe ist ein Erfolgsmodell. Selbst in der Krise haben das riesige Ausstellungsgelände bei Riem und das kleinere MOC noch Zuwächse verzeichnet. Das Jahr 2003 markiert aber einen Einschnitt. Erstmals liegt die Gesellschaft, die der Stadt München und Bayern gehört, unter Plan. Ihr geht das Geld aus.

<P>Schuld ist eine Finanzierungskonstruktion, die bereits bei der Messeverlagerung umstritten war. Staat und Stadt unterstützten die Messe mit Geld und Grundstücken. Doch diese musste die Milliardeninvestition Neue Messe zum Teil über Fremddarlehen finanzieren.<BR>1,35 Milliarden Mark (690 Millionen Euro) verliehen Landesbank und LfA-Förderbank zwar zu Traumkonditionen. Dennoch war klar, dass die Messe dieses Darlehen bei einem dreistelligen Millionenumsatz aus eigener Kraft nicht bedienen kann - obwohl sie alles, was übrig blieb für Zins und Tilgung ausgab. Der Rest, so vereinbarten es die Gesellschafter, wird zugeschossen. Bislang mussten sie jedesmal weniger geben als geplant. 2002 hatten sie 45,9 Millionen Euro eingeplant. Zahlen mussten sie am Ende 41,5 Millionen Euro.<BR>Für 2003 waren wegen besserer Auslastung eigentlich nur 29,8 Millionen Euro Zuschuss geplant. Doch nun sieht es anders aus. Zwar will Messechef Manfred Wutzlhofer sich wegen noch ausstehender Messen nicht festlegen. Sicher ist aber, dass das Geld heuer nicht reicht.<BR>Die rekordverwöhnten Gesellschafter müssen sich auf magerere Zeiten einstellen. Denn in der Krise gerät die Messe gleich von zwei Seiten in die Klemme: Es kommen weniger Aussteller und die verbleibenden sparen. Gleichzeitig schrumpft die Besucherzahl. Ein Unternehmen schickt nicht mehr ganze Teams. Es kommt nur der Einkaufschef oder der technische Leiter.<BR>Dass die Gesellschafter aber überplanmäßiges Geld für ihr Unternehmen Messe übrig haben, scheint ausgeschlossen. Die Stadt München sieht sich am Rand des Ruins und auch im Freistaat zügeln Haushaltssperren die Freigiebigkeit.<BR>So muss Wutzlhofer wohl in den sauren Apfel beißen und neue Schulden machen, um die alten Darlehen bedienen zu können. Eigentlich gilt so etwas als Alarmsignal, doch der Messechef ist sicher, dass die Münchner Messe gestärkt aus der Krise kommt. Zum einen habe München als Messestandort bislang weniger Federn lassen müssen als die Konkurrenz. Zum anderen lässt der zentrale Standort Zuwächse durch die EU-Osterweiterung erwarten, rechnet Wutzlhofer.<BR>Doch erst einmal muss das Durststrecken-Jahr 2003 durchstanden sein. 16 Veranstaltungen stehen noch aus, darunter einige, die die Sorgenfalten nicht schrumpfen lassen: Die Computermesse Systems, die nie aus dem Schatten der großen Cebit heraustreten konnte - und dies in der Krise besonders spürt. Und die Productronica, die in Zeiten schwacher Investitionsneigung voraussichtlich nicht mit Rekordzahlen begeistern kann.</P>

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