Krise gefährdet Unternehmensfinanzierung

New York/Frankfurt - Während Europa sich anschickt, die US-Hypothekenkrise für beendet zu erklären, greift sie in den USA auf andere Sektoren über.

Die Probleme im amerikanischen Hypothekenmarkt greifen auf andere Finanzmarktsektoren über. So hat die Geldmanagement-Firma Sentinel Management Group die Vermögenswerte ihrer Kunden eingefroren. Sentinel verwaltet Gelder für Warenterminhändler und Hedge-Fonds in Höhe von ca. 1,5 Milliarden Dollar.

Sentinel habe die Warenterminbehörde CFTC benachrichtigt, dass die Gesellschaft zur Zeit keine zusätzlichen Investment-Mittel mehr annehmen und keine Rückzahlungen vornehmen werde. Laut "Wall Street Journal" hat Sentinel wegen "Panik"-Konditionen in den Märkten Kunden daran gehindert, Gelder abzuziehen. Die Gesellschaft habe den Kunden mitgeteilt, dass sie Rückzahlungsforderungen nur nachkommen könne, wenn man Wertpapiere mit Abschlägen verkaufe.

Inzwischen haben dutzende amerikanischer Hypothekenfirmen Insolvenzverfahren eingeleitet. Am Dienstag hatte sich die Hypothekenbank Aegis Mortgage unter den Schirm des US-Insolvenzrechts gestellt. Der Antrag auf Gläubigerschutz sei notwendig geworden, um den finanziellen Herausforderungen infolge des Absturzes am Markt für zweitklassige Hypotheken (Subprime) und des Immobilienmarktes in den USA zu begegnen, hieß es.

Thornburg Mortgage, eine weitere Hypothekenbank, hat unterdessen die Zahlung ihrer Quartalsdividende von 68 Cent je Aktie von Mitte August auf den 17. September verschoben. Thornburg-Aktien waren am New Yorker Aktienmarkt am Dienstag um fast 47 Prozent eingebrochen. Die Gesellschaft begründete den Schritt mit dem anhaltenden Liquiditätsdruck.

Die Probleme im Subprime-Hypothekenmarkt könnten auch auf den Commercial-Paper-Markt übergreifen, berichtete die "New York Times". Commercial Paper sind Schuldscheine mit Laufzeiten von wenigen Wochen bis zu einem Jahr. Viele Unternehmen geben sie heraus, um ihren kurzfristigen Finanzbedarf zu decken. Dieser Markt hat in den USA ein Gesamtvolumen von 2,2 Billionen Dollar.

Davon seien 1,2 Billionen durch Hypothekenkredite, Kreditkarten-Forderungen, Autokredite und andere Anleihen gesichert. Die Rating-Agentur Standard & Poor's habe gewarnt, dass sie mehrere Commercial-Paper-Emittenten herabstufen könnten, die sich durch Haus-Hypotheken abgesichert haben. Damit gefährdet die Krise auch die Unternehmensfinanzierung.

Um die Banken mit ausreichend Geld zu versorgen, hat die US-Notenbank dem Geldmarkt der USA erneut eine Liquiditätsspritze gegeben. Sieben Milliarden Dollar seien zugeteilt worden, teilte die US-Notenbank mit. Bereits am Freitag und Montag hatten die Währungshüter 40 Milliarden Dollar in den Markt gepumpt.

Europäische Experten neigen derweil dazu, die Krise in den USA zu den Akten legen zu wollen. Die Milliarden, die die EZB gemeinsam mit der amerikanischen und japanischen Notenbank in das Finanzsystem gepumpt hat, um die Nervosität zu beruhigen, hätten ihre Wirkung gezeigt, erklärten EZB-Direktor Jean-Claude Trichet. Der Bundesverband der Deutschen Industrie erwartet unterdessen "keine weiteren Auswirkungen" auf deutsche Unternehmen. BDI-Präsident Jürgen Thumann sagte, er sehe "keine ernste Gefährdung" durch das ansteigende Zinsniveau und die sich dadurch verteuernden Kredite. 

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