Krise in Halbleiterbranche nimmt kein Ende

- München - Die Krise der Halbleiter-Hersteller nimmt kein Ende. Zwar ist die gebeutelte Branche traditionell heftigen Zyklen ausgesetzt. Ein so langes Tief wie diesmal aber mussten die Unternehmen noch nicht durchstehen. Infineon wird seinen Anlegern den neunten Quartalsverlust in Folge vorlegen müssen. Dennoch sehen Analysten erstmals wieder Hoffnungsschimmer.

<P>Der Verlust vor Steuern und Zinsen könnte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 (30. September) laut Analystenschätzungen bei etwa 140 Millionen Euro gelegen haben. Dies wäre zwar mehr als im Vorjahreszeitraum (107 Mio. Euro), aber weniger als im Vorquartal (223 Mio. Euro). Den Umsatz schätzten Analysten auf stabile 1,4 Milliarden Euro. Aus dem PC- und Mobilfunksektor gab es weiterhin nur wenige Impulse.</P><P>Positive Signale kamen in den vergangenen Wochen von der Konkurrenz. "Die optimistischen Kommentare von Intel, Samsung und AMD lassen auf das typisch starke dritte Quartal bei PCs schließen", meint Analyst Guenther Hollfelder. Intel konnte den Quartalsgewinn zuletzt auf 896 Millionen Euro mehr als verdoppeln. "In den letzten zwei Jahren hatten wir wenig Grund zu jubeln, jetzt sind wir wieder auf der Wachstumsschiene", sagte Intel-Deutschland-Chef Jürgen Thiel.</P><P>Allerdings ist die Produktpalette von Intel und Infineon nur teilweise vergleichbar. Infineon ist nach wie vor stark vom hoch volatilen Speichergeschäft abhängig. Zwar drückt Infineon auch mit Hilfe der modernen Fabrik in Dresden die Kosten kontinuierlich nach unten. Die Vollkosten liegen wohl aber noch immer über den Preisen, die am Markt erzielt werden können. Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck, schätzt die Vollkosten für einen 256-MB-Speicherchip im dritten Quartal bei Infineon auf 5,10 Dollar. Der Durchschnittspreis lag laut Analystenschätzungen bei etwa 4,10 Euro.</P><P>Wichtiger als die Zahlen ist wieder einmal der Ausblick. Experten rechnen damit, dass im laufenden Quartal die PC-Nachfrage deutlich anziehen könnte. Die Unternehmen bauten derzeit Lagerbestände auf, sagt Kitz. Zum Ende der Ferien zieht die Nachfrage nach Computern traditionell an.</P><P>Unter Druck steht vor allem Infineon-Chef Ulrich Schumacher. In den beiden abgelaufenen Geschäftsjahren legte der einstige Börsen-Star jeweils einen Milliardenverlust vor. Auch das laufende Geschäftsjahr wird mit roten Zahlen abgeschlossen. Gerade aus dem Umfeld des Siemens-Konzerns ist verstärkt Kritik an Schumacher zu hören, weil er die Abhängigkeit vom Speicher-Bereich in den vergangenen Jahren noch vergrößert habe.<BR></P>

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