Für Krisenzeiten gewappnet

Vorsorge für Selbstständige: - Immer mehr Selbstständigen droht Altersarmut, warnen Experten. Die Gründe: mangelnde Vorsorge, Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Dabei haben Selbstständige und Freiberufler viele Möglichkeiten, sich gegen existenzbedrohende Krisen umfassend abzusichern.

Sollte es eine Pflicht zur Altersvorsorge für Selbstständige geben, wie es der Präsident der "Deutschen Rentenversicherung Bund", Herbert Rische, unlängst gefordert hat? Risches Begründung: Das wachsende Risiko von Altersarmut bei Selbstständigen. Immerhin waren 2005 in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen selbstständig, rund eine Million davon als Freiberufler.

Gerade Selbstständige mit geringem Einkommen würden finanziell noch schlechter dastehen, wenn sie in die gesetzliche Rente einzahlen müssten, hält dem Arno Metzler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Freie Berufe entgegen. "Selbstständige, die dazu finanziell in der Lage sind, sorgen in der Regel auch fürs Alter vor", sagt Metzler. Dabei - ebenso wie bei Arbeitslosen- oder auch Krankenversicherung - gelten für Selbstständige spezielle Regeln.

Altersvorsorge

Viele Freiberufler unterliegen schon jetzt der Rentenversicherungspflicht. Ärzte, Rechtsanwälte oder Architekten sorgen über ihre Pflichtmitgliedschaft in den berufsständischen Versorgungswerken fürs Alter vor.

Freiberufler, die als sozial schutzbedürftig gelten, müssen dagegen in die Deutsche Rentenversicherung Bund einzahlen. Dazu zählen Pflegepersonen, Hebammen, Pädagogen und Künstler.

Wer nicht der Rentenversicherungspflicht unterliegt, sollte die steuerlich geförderte Rürup-Rente wählen. Das Finanzamt erkennt bis zu 20 000 Euro bei Alleinstehenden (40 000 Euro bei Ehepaaren) an, die pro Jahr in einen Rürup-Vertrag fließen. 64 Prozent davon zieht das Finanzamt 2007 als Sonderausgaben ab, also bis zu 12 800 (25 600) Euro. Selbst bei einer Insolvenz müssen Selbstständige nicht mehr um ihre Altersvorsorge bangen. Seit Ende März 2007 ist sie vor der Pfändung geschützt - maximal bis zu einem Anlagebetrag von 238 000 Euro. Voraussetzung: Das Geld wurde unwiderruflich für die Altersvorsorge eingezahlt.

Arbeitslosigkeit

Seit Februar 2006 können sich Selbstständige freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern. Voraussetzung ist, dass sie innerhalb der vergangenen zwei Jahre zwölf Monate lang sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Der Antrag muss im ersten Monat der Selbstständigkeit bei der Arbeitsagentur eingehen, sonst verfällt der Anspruch. 2007 zahlen Selbstständige monatlich 25,73 Euro (im Osten: 22,05 Euro) in diese freiwillige Versicherung ein. "Wer sich arbeitslos meldet, darf dann auch keine Akquise mehr betreiben", kritisiert Interessenvertreter Metzler. Tatsächlich gibt es keine eindeutige Regelung, ab wann Arbeitslosigkeit vorliegt. Sachbearbeiter entschieden im Einzelfall, heißt es bei der Arbeitsagentur.

Krankheit

Gesetzlich oder privat krankenversichert? Diese Frage stellt sich auch für viele Selbstständige. Kinder können in der gesetzlichen Krankenkasse beitragsfrei mitversichert werden. Bei den Privaten kostet jedes Kind extra. Sind Selbstständige knapp bei Kasse, können sie Tarife mit beitragsmindernder Selbstbeteiligung wählen.

Gesetzlich versicherte Selbstständige mit geringem Einkommen können stattdessen auch das angenommene Mindesteinkommen von 1837 Euro auf 1220 Euro senken lassen - was eine Ersparnis von monatlich bis zu 100 Euro zur Folge haben kann. Voraussetzung: Man muss sein geringeres Einkommen auch nachweisen. Wer seinen Krankenversicherungsschutz wegen Beitragsrückständen verloren hat, kann sich seit April 2007 wieder bei seiner gesetzlichen Krankenkasse versichern. Ab Juli 2007 müssen auch die Privaten ehemalige Versicherte in den sogenannten erweiterten Basistarif aufnehmen.

Banken

Trotz der verbesserten Absicherung durch Pfändungsschutz und Arbeitslosenversicherung sind Selbstständige bei vielen Banken als Kunden ungern gesehen, und wenn, dann nur gegen höhere Kosten im Vergleich zu Angestellten. Die Deutsche Kreditbank (www.dkb.de) bietet ein kostenloses Geschäftskonto für eine eingeschränkte Gruppe von Freiberuflern an. Das Angebot richtet sich etwa an Ärzte, Apotheker und Hausverwalter. Bei der Netbank (www.netbank.de) kommen Freiberufler auch mit Geschäftsvorfällen unter, solange die Firmierung auf den eigenen Namen lautet. Die ING-Diba (www.ing-diba.de), die 1822direkt (www.1822direkt.com) und SEB (www.seb-bank.de) akzeptieren Freiberufler zumindest dann als Kunden fürs kostenlose Girokonto, wenn es für private Zwecke genutzt wird.

Weitere Information zum Thema Absicherung für Freiberufler erhalten Sie

per Faxabruf: Unter der Nummer 0 90 01 / 25 26 65 50 40 (6 Seiten, 1 Minute = 0,62 Euro) bis 6. Juli. 2007. Das Fax-Gerät auf "Polling" oder "Sendeabruf" stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken.

per Brief: Senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort "Freiberufler" an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

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