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Kroatien bekommt den Euro trotz Schulden dank „Engagement, Sorgfalt und Beharrlichkeit“

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Von: Andreas Höß

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Kroatischer Kuna
Lange wird es den kroatischen Kuna nicht mehr geben. © IMAGO/Gudella

Die kroatische Bevölkerung blickt der möglichen Einführung des Euros mit gemischten Gefühlen entgegen. Lange dürfte es nicht mehr dauern, bis der Kuna abgeschafft wird.

Brüssel – Deutsche Kroatien-Urlauber dürfen sich freuen: Das beliebte Urlaubsland mit seiner langen Adriaküste und den vielen malerischen Buchten und Inseln dürfte 2023 den Euro bekommen. Die EU-Kommission und Europas Zentralbank (EZB) gelangten gerade in ihrem Konvergenzbericht zu dem Schluss, dass Kroatien alle Kriterien erfüllt. Die Zustimmung des EU-Rates dürfte nur noch Formsache sein und im Juli erfolgen.

Kroatien: Auch andere Länder verletzten den Stabilitätspakt der EU

Kroatien bemüht sich seit Jahren, Mitglied im Euroraum zu werden. Dass das Land mit seinen vier Millionen Einwohnern nun grünes Licht bekommt, ist keine Selbstverständlichkeit. Genau betrachtet, erfüllt Kroatien nämlich gar nicht alle Stabilitätskriterien. Nach einer Neuverschuldung von 7,3 Prozent im Corona-Jahr 2020 fiel das Defizit 2021 zwar haarscharf unter die im Maastricht-Vertrag vereinbarte Grenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP). Ob sie da dauerhaft bleibt, muss sich erst zeigen. Für dieses Jahr rechnet die EU mit 2,3 Prozent Defizit, die Zahl stammt aber aus der Zeit vor dem Ukraine-Krieg. Mit einem Nachtragshaushalt hob die Regierung in Zagreb im Mai die Neuverschuldung auf 2,8 Prozent, womöglich steigt sie noch weiter. Viel zu hoch sind zudem die Gesamtschulden. Sie lagen 2021 in Kroatien bei fast 80 Prozent, erlaubt sind für Euro-Länder aber nur 60 Prozent des BIP. Allerdings verletzten auch Deutschland oder Frankreich wegen Corona und Ukraine-Krieg gerade die Maastricht-Kriterien, weshalb der Stabilitätspakt ausgesetzt ist.

Kroatien habe Engagement, Sorgfalt und Beharrlichkeit gezeigt

Die EU ist deshalb gnädig. Kroatien sei „auf dem besten Weg, die Anforderungen des Stabilitäts- und Wachstumspakts weiterhin zu erfüllen“, so die Währungshüter von der EZB, die aber auch Reformen für den langfristigen Schuldenabbau anmahnten. Die Politik sparte sich diese Mahnungen und konzentrierte sich auf Glückwünsche – wohl auch, weil man sich in der Konfrontation mit Russland über jeden noch engeren Partner freut. Kroatien habe bei seinen Bemühungen um den Euro „Engagement, Sorgfalt und Beharrlichkeit gezeigt“, sagte Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der EU-Kommission. Er betonte: „Unsere Währung ist ein Symbol für Europas Stärke, Einheit und Solidarität in einer Zeit, in der diese Qualitäten durch einen Krieg vor unserer Haustür auf die Probe gestellt werden.“

Kroatische Bevölkerung mit gemischten Gefühlen

Die Kroaten selbst knüpfen an ihren Euro-Beitritt einerseits große Hoffnungen. Der Wegfall des lästigen Währungsumtausches von Euro in Kuna könnte dem für das Land wichtigen Tourismus einen weiteren Schub geben. Andererseits befürchtet man mit dem Euro steigende Preise. Ob und wann Kroatien ein 21. Eurostaat folgt, ist übrigens unklar. Grundsätzlich ist jeder EU-Staat außer Dänemark verpflichtet, den Euro einzuführen, sobald die Stabilitätskriterien erfüllt sind. Schweden, Polen und Ungarn wollen aber nicht wirklich. Und Tschechien, Rumänien und Bulgarien würden wohl, schaffen es aber bisher nicht.

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