Kroymans: Vertragshändler geraten unter Druck

München - Als die EU Mehrmarken-Autohändlern den Weg ebnete, wehrten sich die Hersteller dagegen. Nun verbünden sich die ersten Großen mit solchen Vertriebspartnern.

Die bayerische Landeshauptstadt ist für Autoverkäufer ein schwieriges Pflaster. Die Dominanz von BMW und Audi macht es anderen Marken schwer. Mit Ford und Fiat haben nun zwei europäische Massenhersteller den Handschuh in den Ring geworfen. Sie wollen gemeinsam mit der Kroymans-Gruppe ihre Marktanteile deutlich ausbauen.

Damit nutzen beide Hersteller eine Möglichkeit, die gegen den hartnäckigen Widerstand ihrer Branchenverbände von der EU eingeführt wurde. Denn Kroymans ist einer der von der Autoindustrie bekämpften Mehrmarkenhändler und unter diesen einer der Großen in Europa. Das niederländische Unternehmen ist mit seiner deutschen Tochter bereits stark in Nordrhein-Westfalen und im Großraum Berlin vertreten. Es nimmt nun in München zu Volvo, Nissan und diversen kleineren Marken auch Ford und Fiat in sein Programm auf.

"Unser Potenzial ist nicht ausgeschöpft", sagen deckungsgleich Ford-Marketing-Chef Jürgen Stackmann und Manfred Kantner, der Deutschland-Chef von Fiat. Stackmann verweist auf Berlin, wo Kroymans den Ford-Marktanteil von vier auf sieben Prozent angehoben hat. Eine ähnliche Entwicklung erwartet er auch für München und lobt den "erfolgshungrigen Partner" aus den Niederlanden.

Das aber könnte zu Lasten der angestammten Vertragshändler von Ford in München gehen, deren Position nun in Gefahr ist. Stackmann sieht darin kein Problem. "Jeder hat die Chance zu wachsen", sagt er und fügt hinzu: "Wenn er will." Ein deutliches Signal ans Händlernetz, von dem mehr Engagement erwartet wird.

Auch Fiat will künftig offensiver auftreten: "München ist für uns nicht annähernd abgedeckt", sagt Kantner, der auf die Liebe vieler Münchner zu Italien setzt und daraus Marktanteile schöpfen will.

Trotz Mehrmarkenstrategie vermeidet Kroymans in seinen Räumen den Eindruck, ein Gemischtwarenhändler zu sein. Es wird getrennt: Ford wird künftig mit der schwedischen Tochtermarke Volvo unter einem Dach verkauft. Fiat wandert gemeinsam mit Nissan in ein anderes Gebäude. Die Verkaufsräume werden wie bei Vertragshändlern exakt nach Hersteller-Vorgaben gestaltet.

Auch der Anzahl der Marken setzt Kroymans-Deutschland-Chef Johannes Cürten nun Grenzen: "Wir können unser Portfolio nicht unendlich ausweiten", sagt er. Mit Fiat und Ford sei ein Gleichgewicht zweier Massenhersteller erreicht. Weitere, wie Peugeot, Citroën und Renault will er - zumindest vorerst - nicht ins Programm nehmen. Dafür aber Importe aus China und Indien. Offenbar nähern sich aber schon weitere Hersteller einem Mehrmarkenvertrieb an. "Wir bekommen viele Anfragen", sagt Cürten.

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