Krümeldiebe, Mord und ein Millionenloch

- München - Übrig geblieben sind 14 Kartons Klopapier, drei Päckchen Kaffee und elf Handstaubsauger, Typ "Krümeldieb". Ach ja, und 40 Millionen Euro Schulden, penibel aufgelistet vom Insolvenzverwalter. Das einzigartige Desaster der Billig-Fluglinie "V-Bird" kostet Firmen und Behörden in Bayern Millionen. Das geht aus der Gläubigerliste vor, die unserer Zeitung vorliegt.

München-Helsinki für 19 Euro, Rhodos für 49, Nizza für 29 - nach nur elf Monaten, im Oktober 2004, stürzte die niederländische V-Bird wirtschaftlich ab. Von einem Tag auf den anderen blieben die Maschinen am Heimatflughafen Weeze (Niederrhein) am Boden, 58 000 Tickets waren verloren. Der umstrittene niederländische Finanzier Eric de Vlieger hatte der trudelnden Airline plötzlich den Geldhahn zugedreht.<BR><BR>Die vier Airbusse werden nie wieder für V-Bird abheben. "Die waren schneller weg, als wir kucken konnten", staunt ein Ex-Manager. Die Fluglizenzen folgten. Dann saß das 191-köpfige Team auf der Straße, die Zulieferfirmen auch.<BR><BR>Allein die Schulden in Bayern sind enorm. Die Regierung von Oberbayern wartet auf 600 000 Euro Luftsicherheitsgebühren, und das wohl auf ewig. "Das sind schon Summen für uns", stöhnt ein Sprecher: "Ein Einnahmeausfall für den Staat in Zeiten knapper Kassen." 30 015 Mal hätte er dafür nach Helsinki jetten können.<BR><BR>Der Münchner Flughafen, auch in öffentlicher Hand, kann 120 000 Euro in den Wind schreiben. Die Pleite hatte sich schon angekündigt. Seit V-Bird flog, mussten laut Ex-Mitarbeitern mehrfach ihre Manager mit Geldkoffern über das Vorfeld eilen - um ausstehende Gebühren bar zu begleichen. Andernfalls hätten die Münchner V-Bird schon früher am Boden gehalten.<BR><BR>Die Flughafen-Tochter EFM, die V-Bird übers Vorfeld schleppte und enteiste, wartet auf über 170 000 Euro, ebenso die Lufthansa. Shell vermisst 800 000 Euro, Hotels in München und Rosenheim hohe vierstellige Summen.<BR><BR>Die Deutsche Flugsicherung wird 155 000 Euro An- und Abfluggebühren nie wiedersehen. Noch schlimmer: 2,6 Millionen Euro Streckengebühren stehen für sie aus.<BR><BR>Womöglich hätte man sich die Billig-Linie und ihren Heimat-Airport Weeze vorher besser ansehen müssen. Flughafen-Mitbesitzer de Vlieger pflegte heikelsten Umgang. Sein enger Geschäftspartner Willem Endstra - auch als Flughafen-Investor im Gespräch - war angeblich in Drogengeschäfte verwickelt. Er wurde im Mai 2004 in Amsterdam erschossen. Nicht nur der niederländische Geheimdienst CIE sei ihm auf den Fersen gewesen, berichten Medien.<BR><BR>De Vlieger selbst versuchte sich erfolglos in der Flug-Branche. Seine Exel Aviation Group schrammte lange knapp an der Pleite vorbei, Air Exel meldete kürzlich Insolvenz an. Holland Exel wurde jetzt vom Reisekonzern Tui gerettet. Sein Engagement mit "Air Holland" macht auch wenig Freude: In der Pleite-Airline steckten laut Justizbehörden in Rotterdam über 25 Millionen Euro Drogengelder.<BR><BR><P> </P>

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