Küchenkauf im Mondschein

Ladenschluss: - Die einen würden gerne, dürfen aber nicht, die anderen dürfen, machen es aber nicht und wieder andere wissen noch nicht so recht, was sie wollen ­ ein halbes Jahr nach der Freigabe der Ladenöffnungszeiten sind die Erfahrungen unterschiedlich. Und in Bayern wird es wohl noch länger bei der 20-Uhr-Regelung bleiben.

Berlin/München ­- Berlin hatte als erstes Bundesland im vergangenen November den seit 50 Jahren geltenden Ladenschluss fast völlig freigegeben. Seit der Föderalismusreform ist die Ladenöffnung Sache der Länder und bis auf Bayern und das Saarland sind die Geschäftsöffnungen mittlerweile weitgehend liberalisiert. Doch in jedem Bundesland gibt es andere Regelungen. Und auch die Einzelhändler machen davon unterschiedlich Gebrauch.

"365 Tage Öffnung bis spät in die Nacht, so ein Trend zeichnet sich nicht ab", heißt es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels HDE. "Langfristig wird es wohl auf einen Dienstleistungsabend wie einst den langen Donnerstag hinauslaufen", betont Sprecher Hubertus Pellengahr. Nur bei den Lebensmittelhändlern würden sich die längeren Öffnungen stärker durchsetzen.

"Wir sind noch in der Lernphase. Generell macht eine tägliche Öffnung bis 22 Uhr noch keinen Sinn", betont Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe. Die neue Freiheit werde derzeit vorrangig in den 1-A-Lagen der Innenstädte genutzt. Eine Spätöffnung lohne sich vor allem da, wo es viele Touristen hinzieht. Durchweg positive Erfahrungen machte dagegen der Möbelhändler Ikea. "Vor allem in den Abendstunden werden die großen Anschaffungen gemacht. Eine Küche oder Wohnzimmereinrichtung lässt sich dann entspannter kaufen", sagt Sprecher Kai Hartmann.

Vom Küchenkauf im Mondschein können die Verbraucher in Bayern nur träumen. Nach der Patt-Situation in der CSU-Fraktion im vergangenen Jahr wurde das Thema nicht mehr angeschnitten ­ und wird es wohl auch nicht so schnell wieder. "Vor den Landtagswahlen im Herbst 2008 wird da nichts mehr passieren", schätzt Christian Bitter, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes BAG Bayern, das sei der CSU "zu risikoreich". So direkt wollte man das im Bayerischen Staatsministerifür Arbeit und Soziales nicht sagen. Dort hieß es, man wolle erst die Erfahrungen der anderen Länder abwarten und auswerten. Einen genauen Zeitpunkt, wann das Thema Ladenschluss wieder auf die Tagesordnung gesetzt werde, gebe es noch nicht.

Sowohl Bitter, dessen Verband vor allem die großen Kaufhäuser vertritt, als auch Bernd Ohlmann, Sprecher des Landesverbands des Bayerischen Einzelhandels, würden eine komplette Freigabe der Ladenöffnungszeiten begrüßen. Einen Kompromiss bis etwa 22 Uhr lehnen beide ab ­ "ein Zwischending ist die schlechteste Lösung", sagt Ohlmann. Dabei gehe es ihnen nicht so sehr um die Möglichkeit, 24 Stunden offen zu haben, oder mehr Umsatz, sondern um die Freiheit an sich. Nur so könnten die Händler selbst entscheiden, wann sie wie lange offen haben wollen, und auch Sonder-Aktionen würden so viel einfacher zu planen sein. "Der Wert liegt in der Entscheidungsfreiheit", betont auch BAG-Sozialexperte Peter Schröder. Die Liberalisierung in den meisten Ländern habe sich schon jetzt ausgezahlt, auch wenn einige Unternehmen ihr Geschäft wieder um 18 Uhr schließen.

Laut Ohlmann sollte es allerdings nicht so weit kommen, dass Kunden einen Stundenplan brauchen, um zu wissen, wo sie in ihrer Stadt wie lange einkaufen können. "Hier müssen die Händler umdenken", fordert er, "und sich auf Kernöffnungszeiten einigen."

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