Künftig Besteuerung von Ertrag aus Lebensversicherungen

- Berlin - Ein grau melierter Herr, der mit einem Bündel Hunderter winkte und in die Kamera versprach: "Sicherheit mit Dividende - Lebensversicherung". Die Werbung war ein großer Erfolg: Die Lebensversicherung ist heute die beliebteste Altersvorsorge der Deutschen. 91 Millionen Verträge gibt es derzeit. Jetzt aber stehen Änderungen bevor, die die Branche mit großer Sorge betrachtet. Das Bundeskabinett beschloss gestern, dass das Steuerprivileg für Lebensversicherungen 2005 wegfallen wird.

<P>Künftig müssen bei der Auszahlung einer Kapital bildenden Lebensversicherung auf die Erträge Steuern gezahlt werden - wie bei anderen Anlageformen auch. Steuerfrei bleiben nur die Beiträge, die der Versicherte während der Laufzeit des Vertrags selbst angespart hat. </P><P>Die Erlöse aus dem festgelegten Garantiezins pro Jahr (derzeit noch 3,25 Prozent) sowie die darüber hinaus gehende Überschussbeteiligung müssen dagegen versteuert werden. Bislang war dies nur der Fall, wenn der Vertrag nach weniger als zwölf Jahren gekündigt wurde.<BR><BR>Mit der Neuregelung folgt die rot-grüne Bundesregierung einem Vorschlag der Rürup-Kommission. Die Änderung gilt jedoch nur für neue Verträge. Für alle bestehenden Lebensversicherungen gibt es einen Bestandsschutz. Die Versicherungsbranche fürchtet aber, dass der Vorsorgeklassiker mit dem Wegfall des Steuervorteils weiter an Attraktivität verliert. Denn schon seit einer Weile sorgen sich viele Verbraucher, dass die Policen nicht mehr halten, was die Versicherungsvertreter versprechen. <BR><BR>Der Crash an den Börsen und die niedrigeren Zinsen haben einige Assekuranzfirmen in Schieflage gebracht. Die Senkung von Garantiezins und Überschussbeteiligungen hatte zur Folge, dass deutlich weniger Lebensversicherungen verkauft werden als früher. Acht Millionen Neuverträge werden es in diesem Jahr noch sein - satte 22 Prozent weniger als 2002.<BR><BR>Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) lehnt den Kabinettsbeschluss folglich ab. "Damit wird ein beliebtes und bewährtes Anlageprodukt beschädigt", sagt Sprecher Stephan Gelhausen. Ohne Steuerprivileg dürften für die 400 000 Versicherungsvertreter in Deutschland nun noch härtere Zeiten anbrechen. Wenn sie weniger Verträge verkaufen, kassieren sie auch weniger Provisionen. Die Branche denkt deshalb schon länger über neue Vorsorgemodelle nach. <BR><BR>Einen Trost haben die Versicherer aber: Weil die Neuregelung für die Lebensversicherungen erst 2005 in Kraft treten soll, wird im nächsten Jahr noch einmal ein Boom erwartet. Verbraucherschützer warnen deshalb schon davor, in den verbleibenden Monaten bis zum 1. Januar 2005 auf vermeintliche Sonderangebote hereinzufallen. </P>

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