Kürzere Fristen für Erbansprüche

Wer erbrechtliche Ansprüche hat, muss sich beeilen und diese schnell einfordern. Die Fristen haben sich geändert, und manch älterer Anspruch verjährt bereits zum Jahresende.

Seit der Reform des Erbrechtes im Jahr 2010 gibt es neue gesetzliche Fristen, um erbrechtliche Ansprüche geltend zu machen. Vom Gesetzgeber bewilligte Übergangsregelungen laufen zum Ende dieses Jahres aus und so gelten ab 2013 in den meisten Fällen nur noch drei statt 30 Jahre Verjährungsfrist. Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht, sieht daher für viele Betroffene „dringenden Handlungsbedarf“.

Aus 30 Jahren wurden drei

Ein Beispiel: Ein Erblasser starb am 31. Dezember 2008. Er hat seine Frau testamentarisch zur Alleinerbin eingesetzt und seiner Nichte ein Geldvermächtnis in Höhe von 20 000 Euro zugedacht. Nach altem Recht wäre der Vermächtnisanspruch der Nichte gegen die Erbin erst mit Ablauf des Jahres 2038 verjährt. Nach der Erbrechtsreform 2010 gilt nun aber die Übergangsvorschrift, wonach zum 1. Januar 2010 eine neue, dreijährige Verjährungsfrist für das Vermächtnis zu laufen begann, die zum 31. Dezember 2012 endet.

Übergangsregeln gelten nicht immer

„Macht die Nichte deshalb ihren Anspruch auf die 20 000 Euro gegenüber der Frau ihres Onkels nicht bis spätestens Ende des Jahres geltend, so verjährt er“, sagt der Münchner Fachanwalt für Erbrecht. Wichtig: „Wenn die Verjährung nach altem Recht früher abläuft als nach neuem Recht, gelten die Übergangsregeln nicht“, sagt Steiner. Wäre der Erblasser also bereits im Jahr 1981 gestorben, so ist der Vermächtnisanspruch seiner Nichte spätestens mit Ablauf des Jahres 2011 verjährt.

Weil ein Vermächtnis immer aktiv vom Erben eingefordert werden muss, scheuen sich viele, gleich nach dem Todesfall zu reagieren. „Man will nicht pietätlos erscheinen, die Familie nicht in ihrer Trauer stören oder die Erben nicht finanziell belasten“, sagt Steiner. Daher sei es nicht selten, dass gerade diese Ansprüche zeitversetzt geltend gemacht werden. Ab 2013 hat nun jeder drei Jahre Zeit.

Von dieser Neuregelung sind Steiner zufolge unter anderem auch viele Ansprüche zwischen Vor- und Nacherben, der Anspruch gegen den Testamentsvollstrecker aus Pflichtverletzung und die Ansprüche des Testamentsvollstreckers auf Vergütung betroffen.

Wenn der wahre Erbe auftaucht

Ausnahme: Die Herausgabe der Erbschaft an den wahren Erben. Hier gilt weiterhin eine Verjährungsfrist von 30 Jahren. Taucht also 20 Jahre nach dem Tod des Erblassers ein Testament auf, in dem nicht die Kinder als Erben benannt sind, sondern die Jugendliebe des Verstorbenen als Alleinerbin bestimmt wurde, müssen sich die Kinder den Wünschen fügen und – bis auf ihre Pflichtteile – alles zurückgeben. Sollte diese Jugendliebe unauffindbar sein und das auch noch zehn weitere Jahre bleiben, haben die Kinder Glück gehabt. „Dann gibt es keine Rückabwicklung“, sagt Steiner.

Änderungen beim Pflichtteil

Beim Pflichtteil gibt es ebenfalls eine kleine Änderung: Hier galten zwar schon immer nur drei Jahre, um diesen Anspruch einzufordern. Doch nun beginnt die Frist erst mit Ablauf des Jahres, in der ein Pflichtteilsberechtigter erfährt, dass der Erblasser gestorben ist, erklärt Steiner.

Stefanie Backs

Rubriklistenbild: © dpa

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