Kuka sieht nach Talfahrt Tiefpunkt erreicht

Augsburg - Die seit einem Jahr andauernde Talfahrt des Roboter- und Anlagenbauers Kuka scheint gebremst. “Wir sehen bei den Robotern eine gewisse Bodenbildung und bei Systems einen Aufwärtstrend.“

Das sagte Vorstandschef Horst Kayser am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Weitere Zuversicht schöpfe er aus dem Auftragsbestand, der rechnerisch noch für sechs Monate reiche. Dennoch rechnet der Vorstand im Gesamtjahr weiter mit einem Verlust.

Kuka leidet massiv unter der Flaute bei seinen wichtigen Autokunden. Im zweiten Quartal gingen die Bestellungen und der Umsatz weiter zurück, das Unternehmen schrieb tiefrote Zahlen. Nun hofft das Management auf die positiven Auswirkungen der jüngst gestarteten Abwrackprämie auf dem weltgrößten Automarkt USA sowie auf den Neuanfang der beiden US-Hersteller General Motors ( GM ) und Chrysler. Es gebe bereits wieder erste Anfragen aus den Staaten, sagte Kayser.

Um die in der Krise geschröpfte Kasse wieder zu füllen, bereitet sich Kuka auf eine Kapitalerhöhung vor. Es gebe eine grundsätzliche Genehmigung des Aufsichtsrats, sagte Finanzchef Matthias Rapp. Auch der mit dem Vorstand im Clinch liegende Großaktionär Grenzebach habe seine Zustimmung signalisiert.

Bis zum Ende des dritten Quartals soll die Vorbereitung abgeschlossen sein. Grenzebach stellte dies allerdings anders dar. Das schwäbische Familienunternehmen sagte dem Handelsblatt (Mittwoch), man habe keine Einigung über eine Kapitalerhöhung erzielt. “Wir können nicht bestätigen, dass es eine positive Entscheidung zu einer Kapitalerhöhung gibt“, sagte der Grenzebach-Sprecher der Zeitung.

Mit einem Abbau von festen Stellen und Leiharbeitern, Kurzarbeit, Gehaltseinschnitten und Werksschließungen versucht die Konzernführung, die angespannte Situation zu entschärfen. Betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland , das stellte Vorstandschef Kayser klar, werde es im laufenden Jahr nicht geben. Für 2010 wollte er dies aber nicht mehr ausschließen. Die Zahl der Mitarbeiter sank bereits von fast 6200 zu Jahresbeginn auf knapp 5900 Ende Juni. Kuka sparte 23 Millionen Euro ein, für das Gesamtjahr geplant sind 50 Millionen. Das Unternehmen war in der jüngsten Vergangenheit vor allem durch die Querelen mit Grenzebach aufgefallen.

Der Mittelständler war im vergangenen Jahr bei Kuka eingestiegen und hat sich mittlerweile einen Anteil von knapp 30 Prozent gesichert. Dem Familienunternehmen geht die Hinwendung zu Geschäftsbereichen außerhalb der Autoindustrie nicht schnell genug. Konzernchef Kayser wehrte aber ab: “Da gibt es inhaltlich keinen wirklichen Dissens.“

dpa

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