Kunden hängen in der Warteschleife

Arbeitskampf bei der Telekom: - Immer mehr Verbraucher leiden unter dem Streik bei der Telekom. Mittlerweile müssen nicht nur die Kunden des Bonner Konzerns deutlich länger auf Anschluss und Stördienst warten, sondern auch die anderer Telefongesellschaften. Die Proteste laufen unverändert weiter.

München - Alte und neue Kunden der Telekom müssen sich derzeit in Geduld üben. Wer einen neuen Telefonanschluss geordert hat, einen DSL-Internetzugang braucht oder eine tote Leitung melden will, muss teilweise nicht Tage, sondern Wochen warten, bis sich etwas tut. Allein die Installation eines neuen Festnetzanschlusses dauert momentan bis zu eineinhalb Monaten, wie die Gewerkschaft Verdi berichtet. An den Service-Telefonen der Telekom sei ein Durchkommen kaum noch möglich. "Da hat sich vieles aufgestaut", sagt Verdi-Sprecher Hans Sterr.

Das Unternehmen räumt ein, den Streik "zu spüren". Doch es sind nicht nur tausende Kunden des Bonner Konzerns, die unter dem mittlerweile 20 Tage dauernden Ausstand leiden. Auch wer über einen Anschluss eines Telekom-Wettbewerbers telefoniert oder im Internet surft, kann von den Auswirkungen des Konflikts um die Auslagerung von 50 000 Telekom-Mitarbeitern getroffen werden. In sogenannten Beschäftigungsgesellschaften sollen sie ab 1. Juli für neun Prozent weniger Lohn vier Wochenstunden länger arbeiten.

"Wir haben mittlerweile exorbitante Verzögerungen im Bereich Entstörung", heißt es beim Telekommunikationsanbieter M-Net in München. Auch beim Düsseldorfer Rivalen Arcor häufen sich Beschwerden. Grund dafür ist, dass viele Wettbewerber die Datenleitungen der Telekom anmieten. Neue Anschlüsse müssen deswegen von Mitarbeitern des T-Konzerns freigeschaltet werden. Doch gerade der dafür zuständige technische Kundendienst beteiligt sich massiv an den Streiks und beeinträchtigt dadurch auch das Geschäft der Konkurrenten.

Nach Angaben des Branchenverbands VATM dauern Reparaturen und Freischaltungen von Anschlüssen mittlerweile drei Mal so lang wie sonst üblich. Dies habe eine Umfrage unter 50 Mitgliedsunternehmen ergeben, wie der Verband bekannt gab. Seitens der Telekom erfolgten Bestätigungen von Terminen für Bereitstellung und Entstörung in vielen Fällen überhaupt nicht mehr. Dabei sei es besonders ärgerlich, dass die Telekom die Wettbewerber erst weit im Nachhinein darüber informiere, welche Bereiche bestreikt würden, erklärte VATM-Chef Jürgen Grützner. Er mahnte Gewerkschaft und Telekom, Bürger und Betriebe mit ihrer Auseinandersetzung nicht über die Maßen zu belasten.

Fakt ist, dass der Streik vor allem Privatkunden stärker trifft, als von Verdi ursprünglich angekündigt. Die Gewerkschaft hatte zu Beginn des Ausstands mehrfach erklärt, sie ziele mit den Streikaktionen vor allem auf Großkunden der Telekom ab. Dass jetzt immer mehr Private die Folgen abbekommen, liegt laut Verdi am Notfallplan der Telekom, mehr Personal für den Geschäftskundenbereich abzustellen. "Diese Kräfte fehlen dann bei der Privatkundenbetreuung", sagt Verdi-Mann Sterr. Eine Sprecherin der Telekom wies dies auf Nachfrage unserer Zeitung allerdings zurück.

Es zeichnet sich ab, dass die Service-Probleme auch in den nächsten Wochen bestehen bleiben. So hat Verdi angekündigt, den Streik zunächst unbegrenzt fortzusetzen und notfalls auszuweiten. Es gebe "kein neues Angebot" des Unternehmens, Berichte über eine Annäherung in den Gesprächen über die Job-Verlagerung träfen nicht zu, sagte Verdi-Vorstandsmitglied und Verhandlungsführer Lothar Schröder in Berlin. Über 15 000 Telekom-Mitarbeiter legten am Mittwoch bundesweit die Arbeit nieder.

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