Kunden in der Schufa-Falle

- Verschiedene Angebote einholen und miteinander vergleichen ­ dieses oberste Gebot für Verbraucher kann beim Thema Kredit zum Nachteil werden. Dann nämlich wenn Bankmitarbeiter Schufa-Daten heimlich oder falsch abfragen und damit die Kreditwürdigkeit der Kunden schmälern.

Und das passiert der Stiftung Warentest zufolge immer wieder. In der aktuellen Ausgabe der Finanztest (Februar) berichten die Verbraucherschützer über einen Test mit 14 Banken, bei denen sich jeweils drei Lockvögel in einem Zeitraum von fünf Monaten zu einem Kredit über 5000 Euro haben beraten lassen. Das Ergebnis bezeichnen die Tester als "verheerend", das sei umso unverständlicher, als bereits vor einem Jahr "skandalöse" Ergebnisse auftauchten. "Die Kreditberater der Banken haben kaum dazugelernt", lautet das Fazit der Tester.

Berater verstießen gegen Datenschutz

In gut einem Drittel aller Kreditanfragen war der Eintrag der Testpersonen bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) aufgrund einer Anfrage der Bank hinterher schlechter als vorher. Viermal (je zwei Tester bei der GE Money Bank und bei der Norisbank) erfuhren die Kunden gar nichts von der Anfrage bei der Schufa ­ das verstoße gegen das Bundesdatenschutzgesetz.

Der Fehler liegt bei der Computer-Abfrage

Schufa-Score und andere Schufa-Daten sind für Bankberater wichtige Kriterien für die Entscheidung, ob der Kunde einen Kredit bekommt und zu welchem Zins. Viele Berater machen allerdings einen Fehler bei der Schufa-Abfrage: Sie geben im Computerprogramm anstatt "Anfrage Kreditkonditionen" "Anfrage Kredit" als Merkmal ein. Für die Schufa ist dann nicht zu erkennen, dass der Kunde nur ein Angebot wollte. Sie sieht, dass er nach einem Kredit gefragt hat und weiß nicht, warum er ihn nicht bekommen oder genommen hat. Das führt zu einer schlechteren Bewertung. Würde der Kunde anschließend zu einer anderen Bank gehen, bekäme er dort einen schlechteren Zins angeboten ­ ein Vergleich sei damit sinnlos. Der Kunde bleibt bei der ersten Bank.

Die Norisbank schnitt am schlechtesten ab

Im jüngsten Test lag die Norisbank bei allen drei Gesprächen daneben, Postbank, Berliner Sparkasse und SEB jeweils in einem. Citibank, Commerzbank und ready bank verwendeten bei jeweils zwei Anfragen das falsche Schufa-Merkmal. In je einer Beratung haben alle drei Banken ganz auf eine Schufa-Anfrage verzichtet. Das kam insgesamt neun Mal vor, unter anderem mit der Begründung: "Die Schufa verschlechtert sich mit jeder Anfrage" (BBBank). Alles richtig gemacht hätten diesmal die Dresdner Bank, die Hypovereinsbank und die Berliner Volksbank.

Eine optimale Kreditberatung ende den Verbraucherschützern zufolge damit, dass der Kunde die Bank mit einem schriftlichen Angebot verlässt, auf dem der nominale und der effektive Jahreszins steht, die Höhe und Zahl der monatlichen Raten, die Laufzeit, die Gesamtzinslast und der Gesamtkreditbetrag. Nur so könnten Kunden Kreditangebote optimal vergleichen.

Verbraucher sollten selbst aktiv werden

Die Stiftung Warentest rät Verbrauchern dazu, die Schufa-Anfrage selbst ins Gespräch zu bringen und den Bankberater darauf hinzuweisen, im Computer das Merkmal "Kreditkonditionen" zu verwenden. So würden sich die Probleme verhindern lassen.

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