Kundengeld abgezweigt: 10 Jahre Haft für Geldtransport-Chef

- Hildesheim - Am Ende der Geschichte des einst größten deutschen Geldtransport-Unternehmens Heros gibt es nur Verlierer. Hunderte Firmen haben durch jahrelange Unterschlagungen bei Heros gigantische Summen verloren, 469 Millionen offene Forderungen stehen zu Buche.

Am Mittwoch hörten nun vier Spitzenmanager meist reglos mit an, wie die Richter des Landgerichts Hildesheim sie zu langjährigen Haftstrafen verurteilten. Firmengründer Karl-Heinz Weis (58) soll zehn Jahre ins Gefängnis, die Leiter der Niederlassungen in Hamburg und Viersen für acht und siebeneinhalb Jahre und der Chef-Logistiker für sechseinhalb Jahre.

Schon Mitte der 1990er-Jahre hatte Weis angefangen, ein Schneeballsystem aufzubauen. Offene Rechnungen wurden mit Geld beglichen, das Heros von Kunden zum Transport anvertraut wurde - und das in immer größerem Ausmaß. Richter Ulrich Schmidt nahm sich drei Stunden Zeit und zeichnete dabei ein genaues Bild von den Vorgängen bei Heros.

Demnach waren "Abschöpftouren" an der Tagesordnung: Transporte mit Kundengeld wurden unterwegs von anderen Heros-Wagen oder Motorrädern gestoppt, das Geld wurde genommen und auf Eigenkonten von Heros eingezahlt. Von dort aus wurde es verteilt, um Löcher zu stopfen. Nebenbei flossen Millionen in eigene Taschen. Jahrelang ging alles gut - bis Ende 2005 Lidl absprang. Diese Lücke im System war nicht zu schließen, im Februar 2006 meldete Heros Insolvenz an. Am 17. Februar wurden die Manager festgenommen.

Als letzten verzweifelten Akt wollten die Spitzenkräfte, allesamt Männer mit Haupt- oder Realschulabschlüssen, ihren kleinen Kunden noch einmal Geld zukommen lassen. 48,2 Millionen Euro von drei Großbanken nahmen sie und beglichen damit Forderungen kleinerer Kunden. Das Gericht wertete diese "Robin-Hood-Tat" als Untreue.

Die Niederlassungsleiter haben erhebliche Summen in Casinos und beim Lotto verzockt. Rund 13 Millionen habe der Mann aus Viersen aus der Firmenkasse genommen, ein knappes Drittel habe er an seinen Kollegen weitergereicht. Inwiefern sich Firmenchef Weis Geld in die eigene Tasche gesteckt hat, ist noch offen. Er sei wohlhabend geworden, sagte der Richter.

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