Kunst gegen Ängste der Kinder

- München - Sie wollte eigentlich schon immer selbstständig arbeiten, aber ohne die Förderung durch den Existenzgründerzuschuss hätte die Kunsttherapeutin Julia Spengler den Schritt nicht gewagt. "In meinem Beruf dauert es eine Weile, bis man davon leben kann", sagt die Münchnerin. Deshalb ist die 32-jährige Ich-AGlerin froh, dass es diese Unterstützung gibt. So kann sie seit März mit ihrem Kinderatelier Buben und Mädchen in ihrer Kreativität in der Art fördern: "Zu mir kommen hauptsächlich Kinder zwischen sechs und 12 Jahren, die sich in einer schwierigen Entwicklungsphase befinden, sei es, dass sie mit Lern- oder Konzentrationsproblemen zu kämpfen haben oder Ängste, Unruhe oder Aggressionen zeigen."

<P>Wie die Kinder künstlerisch tätig sein wollen, entscheiden sie selbst. Zur Auswahl stehen Aquarellfarben, Pastellkreiden, Graphit- oder Buntstifte. Wer sich lieber räumlich ausdrücken möchte, kann mit Ton arbeiten. "Ich lasse sie möglichst frei arbeiten."</P><P>Aber wie hilft die künstlerische Beschäftigung den Kindern bei der Bewältigung ihrer Probleme? "Wenn sie neue Fähigkeiten entdecken, können sie daraus Mut, Sicherheit und Selbstvertrauen gewinnen", so die Therapeutin. Außerdem sei die Ablenkung wichtig. "Es ist nicht gut, wenn die Kinder immer nur auf das Problem, das sie haben, fixiert sind."</P><P>Ein paar Kinder kommen mittlerweile schon zur kunsttherapeutischen Einzelförderung, sei es zu ihr nach Hause in Obersendling oder aber in einen angemieteten Raum einer Gemeinschaftspraxis in Schwabing. Und wie erfahren Eltern von ihr? "Ich habe mich bei einigen Schulen und Kinderärzten vorgestellt." Diese Art von Marketing sei ihr anfangs gar nicht leicht gefallen. "Aber anders geht es nicht." So kommt dann die Empfehlung meist vom Schularzt. Es gibt auch Eltern, die sich von selbst an sie wenden, auch wenn der Nachwuchs gar keine Probleme hat. "Zurzeit kommt einmal in der Woche ein kleiner Junge zu mir, den hat seine Mutter geschickt. Er liebt die Harry-Potter-Bücher und sein größter Wunsch war, die Zauberschule Hogwarts aus Ton nachzubauen. Und das macht er jetzt."</P><P>Auch Julia Spengler macht genau das, was sie immer wollte. Nach dem Studium der Kunsttherapie und Kunstpädagogik hatte sie vier Jahre in einer neurochirurgischen Rehabilitationsklinik für Kinder und in einem Gemeinschaftskrankenhaus im Ruhrgebiet gearbeitet. Dann folgte sie ihrem Mann wieder in ihre Heimatstadt, weil er in München ein Jobangebot hatte. Die Gründung ihrer Ich-AG ging unbürokratisch vonstatten. "Ich war sehr erstaunt darüber, wie wenig eigentlich geprüft wird." Julia Spengler selbst war freiwillig beim Büro für Existenzgründungen, hat einen Businessplan entwickelt und ihn in einem Einzelgespräch genau durchgesprochen. "Ich finde, einen Geschäftsplan aufzustellen, sollte Pflicht sein. Es ist so wichtig zu wissen, was alles auf einen zukommt."</P>

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